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Leiche mit „Wasserblauen Augen“

Der Debütroman des Spaniers Domingo Villar

© Die Berliner Literaturkritik, 04.03.09

 

ZÜRICH (BLK) – In diesem Frühjahr wird im Unionsverlag der Debütroman „Wasserblaue Augen“ von Domingo Villar erschienen.

Klappentext: In Vigo, der galicischen Hafenstadt, kennt jeder Inspektor Leo Caldas, den Vorzeigepolizisten der beliebten Radiosendung Hörfunkstreife, wo man Kummer loswerden und Rat einholen kann. Dabei ist auch sein eigenes Leben ziemlich aus der Bahn geraten, und guter Rat wäre dringend nötig, gerade jetzt, wo die bestialische Ermordung des Saxofonisten mit den wasserblauen Augen zu klären ist. Die Ermittlungen führen Caldas und seinen streitlustigen Assistenten Rafael Estévez durch Tavernen, Szenebars und Schwulenclubs. In welcher Beziehung standen der junge Musiker und Dimas Zuriaga, der wichtigste Kunstmäzen der Stadt? Das ungleiche Ermittlerduo geht der Frage nach – und findet sich bald in einem ganzen Labyrinth von Fragen.

Domingo Villar, 1971 in Vigo geboren, lebt als galicischer Emigrant in Madrid, wo er sich als Journalist und Drehbuchautor einen Namen gemacht hat. Daneben betätigt er sich als Gastronomiekritiker für Radio Nacional de España. Sein Krimidebüt „Wasserblaue Augen“, erschienen im Madrider Literaturverlag Siruela, wurde von den Kritikern begeistert aufgenommen, mit mehreren Preisen (Premio Sintagma, Premio Brigada 21 und Premio Frei Martín Sarmiento) ausgezeichnet und avancierte bald zum meistverkauften Roman in Galicien. Der erste Fall des melancholischen Kriminalinspektors Leo Caldas wird bereits in mehrere Sprachen übersetzt. (jud)

Leseprobe:

© Unionsverlag ©

Caldas betrat das Kommissariat und durchquerte den Gang, der von den beiden Tischreihen gebildet wurde. Schon des Öfteren hatte er, wenn er zwischen den in Reih und Glied aufgestellten Computern hindurchlief, das Gefühl gehabt, sich statt auf einem Polizeikommissariat in einer Zeitungsredaktion zu befinden.

Als Estévez ihn sah, erhob er sich zu seiner vollen Länge von reichlich einem Meter neunzig und ging hinter ihm her.

Caldas öffnete die Milchglastür seines Büros und warf einen Blick auf die Papierstapel, die sich auf dem Schreibtisch angesammelt hatten. Obwohl er wusste, dass es nicht ganz stimmte, brüstete er sich damit, in dem scheinbaren Chaos aus Notizzetteln und Aktenordern jederzeit das Gewünschte ausfindig machen zu können. Müde von einem langen Arbeitstag ließ er sich in seinen schwarzen Lederstuhl sinken und seufzte, ohne zu wissen, welcher Sache er sich zuerst zuwenden solle.

Rafael Estévez befreite ihn von seinen Zweifeln. „Kommissar Soto hat angerufen. Wir sollen sofort hierhin fahren“, sagte er und schwenkte ein Blatt Papier. „Die von der Brigade sind schon da.“

„Dürfte ich mich vielleicht erst einmal hinsetzen, SeZor Rafa? Du bist ja schlimmer als der Kommissar. Was ist denn überhaupt passiert?“

„Keine Ahnung. Ich habe ihm gesagt, dass Sie gerade beim Hörfunk sind. Als ich dann gesagt habe, ich könnte ja hinkommen, hat er gesagt, ich solle lieber auf Sie warten.“

„Zeig mal.“

Caldas las die Anschrift, zerknüllte das Papier und warf es auf den Tisch. „Kacke“, murmelte er, schloss die Augen und lehnte sich im Stuhl zurück.

„Was ist, wollen Sie etwa nicht hin?“, fragte Estévez.

Leo Caldas schnalzte mit der Zunge. „Immer mit der Ruhe, ja?“

© Unionsverlag ©

Literaturangaben:
VILLAR, DOMINGO: Wasserblaue Augen. Roman. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Unionsverlag, Zürich 2009. 288 S.

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