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Leipziger Buchmesse - Nominierungen

Von Aufbruch und Reise: Titel für den Preis der Leipziger Buchmesse

© Die Berliner Literaturkritik, 17.03.11

BERLIN / LEIPZIG (BLK) - Abenteuer, Liebe und Freiheit, aber auch schwierige Themen wie Krankheit und Einsamkeit behandeln die Bücher der Kandidaten für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse. Die mit jeweils 15.000 € dotierte Auszeichnung wird an diesem Donnerstag(17.3.) auf der Bücherschau (17. bis 20.3.) für Belletristik, Sachbuch und Übersetzung verliehen. Die fünf nominierten Autoren und ihre Werke für die Kategorie Belletristik in einer kurzen Übersicht:

Wolfgang Herrndorf

Wolfgang Herrndorf: Tschick, Rowohlt Verlag Berlin, 254 S., 16,95 €, ISBN 978- 3-871-34 710- 8

Der 1965 in Hamburg geborene Schriftsteller schickt in seinem Abenteuerroman „Tschick“ zwei 14-Jährige mit einem geklauten Lada auf eine Reise durch den wilden Osten Deutschlands. Der junge Ich-Erzähler Maik lernt eines Tages in der Schule den Russland-Deutschen Andrej Tschichatschow, kurz Tschick, kennen. Die Sommerferien stehen vor der Tür, die beiden zögern nicht lange und der Abenteuertrip beginnt. Herrndorf, der Malerei studierte und danach als Illustrator arbeitete, versucht gar nicht erst, Jugend-Slang zu imitieren. Stattdessen erzählt er mit viel Situationskomik eine Abenteuergeschichte, in der es immer auch um die großen Themen Freundschaft, Einsamkeit oder Liebeskummer geht.

Arno Geiger

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil, 192 S., 17,90 €, ISBN 978-3-446-23634-9

Im neuen Buch des Österreichers „Der alte König in seinem Exil“ geht es um die Alzheimer-Krankheit des Vaters. Wie ein Sachbuchautor nimmt Geiger sich nach bisher fünf Romanen nun die Krankheitsgeschichte des Vaters und sein Verhältnis dazu vor. Er schildert verschiedene Phasen - von den ersten irritierenden Fehlleistungen bis zum Umzug des alten Mannes in eine Pflegestation. In Rückblenden beschreibt er, wie sich für ihn während der Krankheitsphase ein immer verständnisvolleres Verhältnis auch zu früheren Lebensphasen des Vaters entwickelte. Geiger eroberte mit seinem Werk schnell die Bestsellerlisten, das Thema berührt viele. Für seinen Familienroman „Es geht uns gut“ hatte der 42-Jährige 2005 den Deutschen Buchpreis erhalten.

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Anna Katharina Fröhlich

Anna Katharina Fröhlich: Kream Korner, Berlin Verlag, Berlin, 170 S., 19,90 €, ISBN 978-3-827-00963-0

Nach „Wilde Orangen“ dreht sich auch der zweite Roman der Autorin um träumerische Reisewelten. „Kream Korner“ ist ein kleines Restaurant auf dem Dach eines heruntergekommenen siebenstöckigen Zementbunkers irgendwo in Indien. Fröhlich lässt ihre Protagonisten reisen - oder zumindest vom Reisen träumen. Die Ich-Erzählerin lebt mit Onkel und Tante auf einem Anwesen zufrieden auf dem Land in Südfrankreich, wenn nur das Fernweh nicht wäre. Nach dem Tod des Onkels machen Tante und Nichte sich auf den Weg nach Indien. Die Geschichte lebt vor allem von den detailreichen Beschreibungen der jungen Autorin.

Peter Stamm

Peter Stamm: Seerücken, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 190 S., 18,95€, ISBN 978-3-10-075133-1

Völlige Lethargie kennzeichnet die Charaktere in Peter Stamms neuem Werk „Seerücken“, benannt nach einem Hügelzug in der Schweiz. Egal, ob es um die Einsamkeit im Urlaub geht, um einen Pfarrer, der mit den Abendmahls-Hostien Vögel füttert, oder um die erste Liebe: Stamms Charaktere sind völlig passiv. Statt zu agieren, stehen sie ebenso fasziniert wie angewidert neben ihrem Leben und sehen zu, wie es in seine Einzelteile zerbricht. Der Schweizer Autor verfasste zahlreiche Hörspiele. Nach seinem Romandebüt „Agnes“ im Jahr 1998 veröffentlichte er drei weitere Romane, Erzählsammlungen und einen Band mit Theaterstücken. 2009 erschien sein Roman „Sieben Jahre“, eine Dreiecksgeschichte, in der ein Mann viele Jahre lang zwischen seiner Frau und seiner Geliebten emotional gefangen ist.

Clemens J. Setz

Clemens J. Setz: Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes, Suhrkamp Verlag, Berlin, 350 S., 19,90 €, ISBN 978-3-5184-2221-2

In den neuen Erzählungen des 28-jährigen österreichischen Schriftstellers testen eine Menge skurriler Typen die Grenzen ihrer Freiheit aus. Auch von oft gewalttätigen Ausbruchsversuchen aus der Einöde ehelicher Zweisamkeit handeln die 18 Miniaturen des Bandes „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“. In den Erzählungen leben Menschen allein oder sie quälen sich aus Verzweiflung gegenseitig. Setz schreibt nah an der Wirklichkeit und beschreibt dennoch bizarre Traum-Szenarien. Da wachsen einer Frau plötzlich Flügel und ein einsamer Mann freut sich über die Gesellschaft einer nackten Frauenleiche. Setz versteht es, beim Leser Mitgefühl für seine verzweifelten Helden hervorzurufen. (jjr/dpa)


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