BERLIN (BLK) – Die Schriftstellerin Herta Müller wurde am 8. Oktober mit dem Nobelpreis für Literatur gewürdigt. Sie zeichne „Landschaften der Heimatlosigkeit“, hieß es in der Begründung. Die Schriftstellerin Kathrin Schmidt hat den Deutschen Buchpreis 2009 erhalten. Sie wurde für ihren autobiographisch geprägten Roman „Du stirbst nicht“ in Frankfurt am Main ausgezeichnet. Der Schriftsteller Reinhard Jirgl wurde in Berlin mit dem Lion-Feuchtwanger-Preis geehrt. Jirgl befasse sich intensiv mit der deutschen Zeitgeschichte und packe auch „heiße Eisen“ an, erklärte die Jury in ihrer Preisbegründung.
Weitere Preisträger der vergangenen Wochen sind unter anderem: Claudio Magris (Friedenspreis des Deutschen Buchhandels), Angeles Caso (Planeta-Preis) und Nikolaus Piper (Deutscher Wirtschaftsbuchpreis 2009).
Die Schriftstellerin Herta Müller wurde am 8. Oktober von der Schwedischen Akademie in Stockholm mit der höchsten Auszeichnung der literarischen Welt gewürdigt. Die 1953 in Rumänien geborene Autorin zeichne „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“, begründete die Akademie ihre Entscheidung. Ihr Lebenswerk zeugt von schmerzhaften Erinnerungen an eine düstere Vergangenheit unter dem Ceausescu-Regime und den Erfahrungen der deutschen Minderheit in dem Land. Der Literatur-Nobelpreis wird stets am 10. Dezember in Stockholm vergeben, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Die Auszeichnung ist mit umgerechnet rund einer Million Euro dotiert.
Die Schriftstellerin Kathrin Schmidt hat den Deutschen Buchpreis 2009 erhalten. Die 51 Jahre alte Autorin wurde für ihren autobiographisch geprägten Roman „Du stirbst nicht“ am 12. Oktober in Frankfurt am Main ausgezeichnet. Schmidt erzählt die Geschichte einer Frau, die nach einer Hirnblutung im Krankenhaus aus der Bewusstlosigkeit erwacht. Langsam erobert sie sich die Welt zurück. Der Deutsche Buchpreis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert, der Sieger erhält davon 25.000 Euro. Insgesamt hatte die siebenköpfige Jury 154 Titel gesichtet, die seit Oktober vergangenen Jahres erschienen sind.
Der Schriftsteller Reinhard Jirgl wurde am 30. September in Berlin mit dem Lion-Feuchtwanger-Preis der Akademie der Künste ausgezeichnet. Jirgl befasse sich intensiv mit der deutschen Zeitgeschichte, „besonders auch mit heißen Eisen, die sonst keiner anfassen mag: der Vertreibung der Sudetendeutschen und dem seelischen Elend der Massen in der späten DDR“, erklärte die Jury in ihrer Preisbegründung. Jirgl wurde 1953 in Berlin geboren und wuchs in der Altmark auf. Zu seinen Werken zählen „Die Stille“, „Abtrünnig“, „Die Unvollendeten“ und „Hundsnächte“. Die mit 7.500 Euro dotierte Auszeichnung würdigt historische Prosa. Sie wurde von Feuchtwangers Ehefrau Marta gestiftet.
Der italienische Schriftsteller Claudio Magris hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Wie kaum ein anderer habe sich der 70-Jährige mit den Problemen des Zusammenlebens und Zusammenwirkens verschiedener Kulturen beschäftigt, begründete die Jury ihre Wahl. Der seit 1950 vergebene und mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen in Deutschland, er wurde am 18. Oktober bei der Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Im vergangenen Jahr war der Maler und Bildhauer Anselm Kiefer ausgezeichnet worden, im Jahr zuvor der jüdische Historiker Saul Friedländer.
Die spanische Schriftstellerin Angeles Caso hat den diesjährigen Planeta-Preis gewonnen, die mit 601.000 Euro höchstdotierte Literaturauszeichnung der spanischsprachigen Welt. Die 50-Jährige wurde am 16. Oktober in Barcelona für ihren Roman „Contra el viento“ (Gegen den Wind) ausgezeichnet. Das Buch erzählt vom Schicksal einer jungen Frau von den Kapverdischen Inseln, die zunächst nach Portugal und dann nach Spanien auswandert. „Es ist eine Hommage an alle Immigrantinnen, die wahren Heldinnen des 21. Jahrhunderts“, sagte die Autorin. Der Planeta-Preis wird seit 1952 von dem gleichnamigen Verlag in Barcelona vergeben.
Der Journalist Nikolaus Piper hat den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2009 gewonnen. Sein Werk „Die Große Rezession – Amerika und die Zukunft der Weltwirtschaft“ sei wegen der „großen Aktualität und der sachlichen Heranführung des Autors an das Thema“ das beste Wirtschaftsbuch des Jahres, urteilte die Jury. Der New-York-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ habe damit aufgezeigt, dass die Wirtschaftskrise hätte verhindert werden können. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde 2007 vom „Handelsblatt“, dem Beratungsunternehmen Booz & Company sowie der Frankfurter Buchmesse ins Leben gerufen.
Ein Bildband über den Künstler Joseph Beuys (1921-1986) ist das schönste Buch des vergangenen Jahres. Der Göttinger Steidl Verlag hat dafür am 15. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse den ersten Preis der Stiftung Buchkunst erhalten. „Ein spannungsvolleres Layout ist bei der Materialfülle nicht denkbar“, fand die Jury. Der Preis ist mit 4.000 Euro dotiert. In der Kategorie Literatur siegte die neue Reihe „Reclam Bibliothek“, das schönste Sachbuch erschien bei Birkhäuser („Projekt Vitra“), bei den Kinderbüchern gefiel der Jury ein Sammelband von Kiplings „Dschungelbüchern“ am besten.
Die englische Schriftstellerin Hilary Mantel ist mit dem Booker-Preis ausgezeichnet worden. Die 57-Jährige erhielt die mit 50.000 Pfund (54.000 Euro) dotierte Literaturauszeichnung am 5. Oktober in London für ihren historischen Roman „Wolf Hall“. In dem Bestseller erzählt sie den Aufstieg von Thomas Cromwell zum Stellvertreter des Tudor-Königs Heinrich VIII. Der Booker-Preis wird jedes Jahr für einen Roman aus den Commonwealth-Staaten oder Irland vergeben. Zu den früheren Preisträgern des Booker-Preises gehören der britisch-indische Autor Salman Rushdie und die indische Schriftstellerin Arundhati Roy.
Der italienische Schriftsteller und Mafia-Kritiker Roberto Saviano wird mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2009 ausgezeichnet. Das gab am 1. Oktober der Landesverband Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels bekannt, der die Auszeichnung gemeinsam mit der Landeshauptstadt München vergibt. Der 30 Jahre alte Autor erhalte den mit 10.000 Euro dotierten Preis für sein aktuelles Buch „Das Gegenteil von Tod“ und für sein engagiertes Schreiben insgesamt. Der Preis soll am 16. November bei einem Festakt in München überreicht werden. Im vergangenen Jahr wurde der israelische Schriftsteller David Grossman geehrt, im Jahr zuvor posthum die 2006 in Moskau erschossene Journalistin Anna Politkowskaja. (dpa/wer/dan)