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Lobeshymnen auf Reich-Ranicki

Zu Ehren des Literaturkritikers gratulieren Freunde und Arbeitskollegen

© Die Berliner Literaturkritik, 03.06.10

FRANKFURT/MAIN (BLK) - Marcel Reich-Ranickis Verhältnis zu den großen Autoren des Landes war stets eher angespannt. Zum 90. Geburtstag von Deutschlands berühmtestem Literaturkritiker am Mittwoch hat ihn jetzt Siegfried Lenz als „Freund“ seit mehr als 50 Jahren bezeichnet. Die deutsche Literatur habe Reich-Ranicki viel zu verdanken, würdigte der Schriftsteller („Deutschstunde“) den Jubilar in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Er liebt das Streitgespräch, er blüht auf beim Widerspruch, sein bevorzugter Turnierplatz ist die Polemik.“

„Er wollte immer für alle schreiben, und er wusste, wie man es macht“, meinte der Schweizer Literaturwissenschaftler Peter von Matt ebenfalls in der „FAZ“, deren Literaturchef Reich-Ranicki viele Jahre lang war. Das „Spektakel der Verrisse“ mit Gewinnern und Verlierern sei ein „zirzensisches Element“, das zur literarischen Öffentlichkeit gehöre. „In Deutschland ist diese Aussage anstößiger als anderswo, weil hier die literarische Kultur stärker als anderswo die religiöse abgelöst und beerbt hat.“

ZDF-Intendant Markus Schächter erklärte am Mittwoch, Reich-Ranicki habe Fernsehgeschichte geschaffen. „Keine Literatursendung hatte einen gewaltigeren Ruf, jedes Nachfolgeformat muss sich zwangsläufig mit dem „Literarischen Quartett“ messen lassen“, hieß es im Glückwunschbrief. Reich-Ranicki habe mit dem „Literarischen Quartett“, das von 1988 bis 2001 und in den Jahren 2005 und 2006 in vier Sonderausgaben ausgestrahlt wurde, Maßstäbe gesetzt.

Der Verleger des Carl Hanser Verlags, Michael Krüger, wies auf das geradezu wissenschaftliche Interesse Reich-Ranickis an Klatsch hin. „Wer was über wen gesagt hat und warum das gehört für ihn genauso dazu, weil es natürlich das Mehl, die Erde ist, worauf dann Literatur wächst“, sagte Krüger im Deutschlandradio Kultur. Besonders bemerkenswert ist nach Ansicht Krügers der Unterhaltungswert Reich-Ranickis. „Viele haben ihn nachgemacht, keiner hat ihn erreicht.“

Reich-Ranicki hat es nach Ansicht seines langjährigen Weggefährten im „Literarischen Quartett“, Hellmuth Karasek, wie kein anderer verstanden, sich selbst zu einer Marke zu machen. „MRR“ sei als Literaturkritiker zum Fernsehstar geworden, sagte Karasek ebenfalls im Deutschlandradio Kultur. (dpa/ton)

BLK-Notizblock

Wohnort Reich-Ranicki, Frankfurt am Main

Am Sonntag, 6. Juni, wird das ZDF die offizielle Geburtstagsehrung für Marcel Reich-Ranicki ab 13 Uhr aus der Frankfurter Paulskirche übertragen.


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