Friedrich Torberg, geboren 1908 in Wien, entstammte einer deutsch-jüdischen Familie. Er war Schriftsteller, Journalist, Herausgeber und Übersetzer. Bekannt als Schriftsteller wurde er vor allem durch seinen Roman „Der Schüler Gerber hat absolviert“, der 1930 veröffentlicht wurde. Torberg schrieb als Sportreporter und Theaterkritiker für das „Prager Tagblatt“ und war Herausgeber der Zeitschrift „Forvum“.
Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurden Friedrich Torbergs Schriften bereits 1933 verboten. 1938 zwangen ihn die Nationalsozialisten ins Exil. Als die deutschen Truppen in Österreich einmarschierten, befand sich Friedrich Torberg gerade in Prag. Zwangsweise musste er emigrieren. Die erste Etappe seiner Emigration führte den Schriftsteller nach Zürich. Doch 1939 musste er auch die Schweiz verlassen und emigrierte nach Paris. Durch die Hilfe von Freunden wurde er schließlich vom P.E.N.-Club als einer der Outstanding German Anti-Nazi-Writer erfasst und bekam ein Visum für Amerika.
Dort erschien 1943 seine Novelle „Mein ist die Rache“. In diesem Jahr wurde diese anlässlich des 100. Geburtstages Friedrich Torbergs als Einzelveröffentlichung vom „Deutschen Taschenbuch Verlag“ mit einem Nachwort des Herausgebers aufgelegt.
Die im Exil entstandene Novelle spielt in dem fiktiven Konzentrationslager Heidenburg. Ein Lager, das als vergleichsweise „nicht so schlimm“ gilt. Doch dieser Zustand ändert sich mit dem Eintreffen des neuen Lagerkommandanten, SS-Gruppenführer Hermann Wagenseil. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, der „jüdischen Weltverschwörung“ ein Ende zu setzen. Auf bösartige und sadistische Art und Weise lässt er die jüdischen Häftlinge so lange foltern, dass diese als einzigen Ausweg und zur Erlösung ihres Leids Selbstmord vor seinen Augen begehen.
Der neue Lagerkommandant verbreitet mit seinen Methoden Angst und Schrecken unter den Häftlingen. Und als der junge Hans Landauer nach langer und brutaler Folter in der Mitte seiner jüdischen Lagerinsassen stirbt, kommt es in der „Judenbaracke“ zum regen Meinungsaustausch. Kurz vor seinem Tod hat dieser die Worte: „Aber dem zeig ich’s noch. Der soll nur warten. Ich zeig’s ihm noch“ geäußert. Diese Äußerung bringt eine energische Diskussion in Gange. Sollte man, wenn die Möglichkeit besteht, Rache am Lagerkommandanten Wagenseil üben? Manche stimmen dafür, andere hingegen meinen, man solle, wie es die Bibel besagt, die Rache Gott überlassen und zitieren Psalme: „Mein ist die Rache und die Vergeltung.“ Sollen sich die Häftlinge tatenlos ihrem Todesschicksal hingeben und blind auf Gott vertrauen, oder ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, wenn sich ihnen die Möglichkeit bietet?
Genau dieser Konflikt ist es, den Torberg in seiner Novelle auf nachvollziehbare Weise darstellt. Er erzählt nicht nur von den allgemeinen Schrecken und unmenschlichen Geschehnissen im Konzentrationslager, sondern darüber hinaus von den individuellen inneren Konflikten, mit denen die jüdischen KZ-Häftlinge hinsichtlich ihres Glaubens konfrontiert sind.
In „Mein ist die Rache“ nimmt der Ich-Erzähler sein Schicksal in die Hand und tötet den KZ-Kommandanten Wagenseil. Die Spannung ist damit jedoch nicht gemindert, denn die Novelle endet nach Meinung Erich Maria Remarques mit einem der aufregendsten und überraschendsten Sätze der Weltliteratur. Remarque hätte es nicht treffender formulieren können.
„Aber ich warne Sie! Es ist keine Geschichte, die man nur so zum Zeitvertreib erzählen und zum Zeitvertreib mit anhören kann“, sagt der Erzähler zu Beginn seiner Geschichte in Torbergs Novelle. Friedrich Torberg hat eine bestürzende Geschichte geschrieben. Erschreckend, schonungslos und mit großer Sensibilität erzählt der Autor in nüchternem und reduziertem Stil. Das in dieser Ausgabe anhängende Nachwort des Herausgebers stellt Zusammenhänge heraus und bereichert das Buch mit nützlichen Informationen. Torbergs enger Freund Max Brod war begeistert von der Novelle: „Es ist gut, es musste geschrieben werden! Die Welt wird zwar, wenn man es liest, noch um einige Tintengrade schwärzer (...), aber auch das soll, muß so sein!“ 65 Jahre nach der Erstveröffentlichung ist Torbergs „Mein ist die Rache“ eine literarische Wiederentdeckung zu dessen 100. Geburtstag.
Von Jennifer Riehn
Literaturangaben:
TORBERG, FRIEDRICH: Mein ist die Rache. dtv, München 2008. 105 S., 7,90 €.
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