KUNDERA, MILAN: Eine Begegnung. Hanser Verlag, München 2011, 208 S., 18,90 €.
Von Annett Klimpel
Milan Kundera, zurückgezogen lebender Romancier, gibt einen Einblick in seine Gedankenwelt. In „Eine Begegnung“ schildert er Erlebnisse mit Malern, Komponisten und Autoren, erklärt, warum er ihre Werke bewundernswert findet und wie er sie interpretiert. Für das Buch wurden mehrere Essays zusammengefasst, es beinhaltet Interviews und für Zeitungen verfasste Texte - rund 20 Beiträge insgesamt.
Zum US-Autor Philip Roth schreibt Kundera: „Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist die Geschichte jedoch so schnell vorangeschritten, dass die Figuren aus "Professor der Begierde" zwangsläufig eine andere Zeit in Erinnerung haben, die ihrer Eltern, die ihre Liebesgeschichten mehr im Stil von Tolstoi als in dem von Roth erlebt haben.“
Die sexuelle Freiheit führe zu Banalität, sie sei „weder dramatisch noch tragisch, noch lyrisch“. Die in der Atmosphäre des Romans spürbare Sehnsucht sei „die Sehnsucht nach der Liebe, nach der Liebe als solcher, der Liebe zwischen Vater und Mutter, nach jener ergreifenden altmodischen Liebe, die der Welt heute abhandengekommen zu sein scheint.“
Auch zu Gudbergur Bergsson Roman „Der Schwan“ findet Kundera klare Worte: „Doch bitte lesen Sie ihn nicht wie einen "isländischen Roman", wie eine exotische Bizarrerie! Gudbergur Bergsson ist ein großer europäischer Romancier.“ Ihn inspiriere „eine existenzielle Suche, eine wahre existenzielle Verbissenheit, die sein Buch mitten im Zentrum dessen ansiedelt, was man die Modernität des Romans nennen könnte“.
Weitere Texte sind etwa dem irischen Maler Francis Bacon gewidmet, dem russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski oder auch dem französischen Künstler Ernest Breleur. Kundera, 1929 in Tschechien geboren, war wie viele Intellektuelle des Landes einige Jahre enthusiastisches Mitglied der kommunistischen Partei. In seinen Werken setzte er sich mit dem Stalinismus und dem niedergeschlagenen „Prager Frühling“ auseinander - was auch bei seinen Begegnungen mit Malern, Komponisten und Autoren eine Rolle spielte.
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Aber auch um profanere Dinge macht sich Kundera Gedanken. So sei auffällig, dass die Protagonisten großer Romane meist keine Kinder hätten. „Diese Unfruchtbarkeit ist nicht auf eine bewusste Absicht der Romanciers zurückzuführen; es ist der Geist der Kunst des Romans (oder das Unbewusste dieser Kunst), der die Zeugung verabscheut.“
„Eine Begegnung“ ist eines der persönlichsten Bücher Kunderas, der mit Werken wie „Der Scherz“, „Das Buch vom Lachen und Vergessen“ und „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ bekannt wurde. Seine Interpretationen geben nicht nur Einblicke in seine Gedankenwelt und seine Treffen mit Künstlerkollegen, sondern machen auch neugierig auf manche der erwähnten Werke.
Weblink: Hanser Verlag