Er ist der bis heute wohl größte und populärste einheimische Humorist: Wilhelm Busch, der Satiriker, Menschenbeobachter und Karikaturist, der wohl meistzitierte Hausphilosoph und Verseschmied deutscher Sprache. Weltberühmt wurde er durch seine satirischen Bildgeschichten. In seinen populären Verserzählungen entlarvte er lakonisch und mit bestechender Logik die Scheinheiligkeit des deutschen Spießbürgertums seiner Zeit. Er mag als der letzte große Vertreter des komischen Heldengedichts gelten und wurde zugleich mit schadenfrohem Bildwitz und treffsicheren Karikaturen Vorbild u. a. für Verfasser von Comics und Cartoons, Vorläufer des Animationsfilms, wichtiger Impulsgeber der Popkultur, erklärtes Idol des deutschen Nachkriegshumors von Heinz Ehrhardt bis zur Neuen Frankfurter Schule.
Und doch ist er selbst, der Mann vom Dorf, der den wortkargen Umgang schätzte und die Abgeschiedenheit suchte, querköpfig, misstrauisch und empfindlich, dabei nachtragend und stur bis zur Zänkischkeit, ein Menschenfreund, der diejenigen mochte, die er genüsslich aufspießte, so gut wie unbekannt geblieben. Er hatte es nicht gern, wenn man in seinem Leben herumkramte. Seine Biografie ging die Zeitgenossen nichts an. Er vernichtete auch alle an ihn gerichteten Briefe. Das Schreiben über ihn nannte er grimmig eine „unverdient liebenswürdige Vivisektion des Karnickels“. Basta!
Wie soll man also dem „authentischen“ Wilhelm Busch beikommen? Gudrun Schury, Autorin und Literaturwissenschaftlerin, bezieht sich in ihrer Wilhelm-Busch-Biografie auf einen Einfall des Dichters, der eine Ausstellung zu Ehren seines verstorbenen Freundes Victor Hartmann in der Kunstakademie von St. Petersburg atmosphärisch festhalten wollte und in vier „Promenaden“ den Gang des Betrachters durch die Säle, in zehn „Bildern“ dessen Eindrücke vor den Kunstwerken schilderte.
So, in zehn Promenaden, Lebensstationen also, und sechzehn Bildern, werk- und wirkungsgeschichtlichen Partien, Themen und Motive einbeschließend, in Längs- und Querschnitten also, nähert sie sich dem Dichter-Zeichner und kann eine große Materialfülle einbringen. Sie verflechtet Familien- und Biografiegeschichtliches, äußere Lebensumstände und Ereignisse sowie Geistig-Seelisches bei Busch mit den historischen, sozialen und kulturellen Verhältnissen der Zeit, analysiert einzelne Werke und ganze Serien, sucht autobiografische Fährten in den Bildergeschichten auf, stellt literatur- und kunsthistorische Querverbindungen her, breitet Bekanntes und Unbekanntes aus, stellt ihre Beobachtungen, Entdeckungen, Mutmaßungen, Fragen zur Diskussion.
Genaue Wiedergabe der Fakten, Objektivität in der Wertung, Verzicht auf romanhafte Ausschmückung ist ihr Prinzip, und dort, wo sie Fragen aufwirft, Mutmaßungen äußert, setzt sie diese vom durchgehenden historisch-biografischen Text ab. Wilhelm Buschs Unmut über die „gewöhnlichen biografischen Schreibereien, die naturgemäß entweder lügenhaft, langweilig oder indiskret sind“, ernst nehmend, will Gudrun Schury „ehrlich, kurzweilig und diskret“ sein.
Sie will Buschs Leben als Museum, als Ausstellung von Bildern beschreiben, die man mal eingehender und mal flüchtiger betrachtet, die den Lebensweg „treppauf, treppab, in geraden und krummen Linien, auf Ab- und Umwegen“ verfolgen. So ist keine in sich abgerundete literarische Biografie entstanden, sondern eine heterogene, aber äußerst spannende Materialsammlung, sperrig wie der Dichter selbst, die weniger zum fortlaufenden Lesen von Anfang bis Ende, sondern mehr zum Blättern und Sich-Festlesen, zum eigentlich nur Nachschlagen und doch längerem Verweilen einlädt.
1832 in dem Dorf Wiedensahl im damaligen Königreich Hannover geboren, kehrte Busch hierher auch immer wieder zurück, als das Leben ihm den einen oder anderen Streich spielte, als er ein skeptischer, illusionsloser, bisweilen sarkastischer und dennoch am Ende heiter-amüsierter Beobachter des menschlichen Treibens geworden war. Wenig erfährt man allerdings bei Gudrun Schury über das Familienleben im Wiedensahler Elternhaus. Erst der Onkel, Pastor Georg Kleine, bei dem der Junge aufwuchs, sollte ihm die Augen für die Natur öffnen, ihm Mathematik lehren, ihm die alten Dichter nahe bringen und ihn dann auf den Lebensweg entlassen.
Auf Wunsch seines strengen Vaters, eines hart arbeitenden Kaufmanns, studierte er erst Maschinenbau in Hannover, dann setzte er seinen eigenen Willen durch, wurde Maler, und bezog die Kunstakademie in Düsseldorf, Antwerpen und München. Aber nie sollte er sich an eine wirklich große Komposition wagen, seine Gemälde blieben meist im Format eines Skizzenblattes. Und nie hat er ein Bild verkauft oder sich in einer Ausstellung dem Urteil anderer gestellt. Zunächst sah es so aus, und Gudrun Schury beschreibt es höchst eindringlich, dass er abgestürzt zu sein schien von seinem Höhenflug in die große, freie Kunst, sich wieder unter die Augen seines höhnenden, verzweifelten und schließlich verzeihenden Vaters begeben musste.
Als er dann in München doch sein Malereistudium fortsetzte, konnte er in der feucht-fröhlichen Runde des Künstlervereins „Jung-München“ endlich seine wahren Talente entfalten. Keiner wusste so treffende, beißende Verse zu formulieren wie er. Keiner hatte einen so scharfen, geschulten Blick für die Eigenarten, Schwächen und Skrupel seiner Mitmenschen, mit allen Heimlichkeiten und Hintergedanken. Niemand war vor seinem Witz und Spott sicher. Der Herausgeber der „Fliegenden Blätter“ erkannte Buschs karikaturistische Fähigkeiten und stellte ihn als Zeichner und Mitarbeiter der damals berühmten satirischen Wochenschrift ein. Dieser musste sich völlig umstellen, seine Zeichnungen wurden zum Druck auf Holzstöcke übertragen.
Das bedeutete Verzicht, Vereinfachung, Reduktion auf wenige, klare Linien. „Zwischen Entwurf und Druckbild schieben sich Holzstöcke, Stecherhände und Probeabzüge“, schreibt die Biografin. Doch schnell erwarb sich Busch Routine in der neuen Technik. Bald schrieb er zu den Illustrationen auch seine eigenen Reime dazu, bald auch gerieten ihm, wie er sich später erinnerte, „die Situationen in Fluss und gruppierten sich zu kleinen Bildergeschichten“. Als „Münchener Bilderbogen“ ließ der gut verdienende Münchener Verleger bereits bezahlte Geschichten erneut drucken, ohne den Namen des Autors überhaupt zu erwähnen.
Bis zu den „Abenteuern eines Junggesellen“ von 1875, die die Wahrheit eines geflügelten Wortes vor Augen führen sollen (Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute – sprich: der Bettschatz – doch so nah liegt), entstanden alle Bildergeschichten im Holzstichverfahren. Erst die Foto-Zinkografie seit 1876 bedeutete dann eine Vereinfachung des so aufwändigen Prozesses.
Als befände man sich mitten in einem „Donald Duck“- oder „Asterix“-Heft, schreibt Gudrun Schury, wird in „Der Virtuos“ (1865) nicht mehr und weniger betrieben als eine „Verrenkungsstudie“. Satz- und Tempobezeichnungen wie „Adagio“ oder „Forte vivace“ bezeichnen den Grotesktanz zweier komischer Figuren, des Klaviervirtuosen und seines einzigen Zuhörers. Vom „Silentium“ bis zum „Bravo-bravissimo“ des Klavierkonzertes wirbeln, zipfeln, drehen, spitzen, flitzen, krümmen, schrauben, kräuseln und sträuben sich Körper- und Gewandteile, Beine, Ohren und Hände, die Locken mal zum Ringelschwänzchen, zum Hahnenschweif und schließlich zur Rauchsäule.
Sprachliche Bilder verwandeln sich in grafische: Wenn der Zuhörer „Stielaugen macht“, so gibt ihm Busch wirklich Augen am Stiel, wenn er „ganz Aug und Ohr ist“, besteht sein Kopf aus Riesenohr an Riesenauge. Die Idee, in einer Simultanschau mehrere Bewegungsphasen derselben Figur zu kombinieren, als könne man ihrem Zappeln überhaupt nicht so rasch mit den Augen folgen, bezeichnet Gudrun Schury treffend als „Daumenkino, das keinen Daumen braucht“.
Busch saß nun zwischen seinen Aufenthalten in München wieder in seiner Kammer des väterlichen Hauses in Wiedensahl und zeichnete. Vier seiner Bildgeschichten – unter ihnen „Katz und Maus“ und „Der Eispeter“ – fasste er unter dem Titel „Bilderpossen“ zu seinem ersten eigenen Buch zusammen und ließ sie in Dresden erscheinen. Aber sie verkauften sich nur schleppend. 1865 kam in München seine Bildergeschichte „Max und Moritz“ heraus, die zugleich auch seine erfolgreichste wurde und der weitere Serien folgten, zuletzt 1884 „Maler Klecksel“.
„Lachen ist ein Ausdruck relativer Behaglichkeit“, sollte Busch später feststellen. „Der Franzel hinterm Ofen freut sich der Wärme umso mehr, wenn er sieht, wie sich draußen der Hansel in die rötlichen Hände pustet. Zum Gebrauch in der Öffentlichkeit habe ich jedoch nur Phantasiehanseln genommen. So ein Konturwesen macht sich leicht frei von dem Gesetze der Schwere und kann, besonders wenn es nicht schön ist, viel aushalten, eh’ es uns weh tut“.
„Max und Moritz“, mit deren sieben Streichen Busch in die Weltrangliste aufgestiegen ist – was macht diese Anhäufung von Verbrechen eigentlich so lustig, fragt Gudrun Schury. Die Diskrepanz von Form und Funktion erzeugt hier den Witz. Es geht Busch doch nicht darum, die schlimmen Folgen einer Tat zu demonstrieren In den sieben Fabeln soll das biedere Bürgertum durch die Bosheiten von Max und Moritz stark überzeichnet angegriffen werden. Die Lausbuben werden erst durch das triste Reglement der Älteren zu Schandtaten provoziert.
Der Streich gegen Witwe Bolte richtet sich gegen ihren zweifelhaften Lebensinhalt, drei Hühnern und einem Hahn, der durch den grausigen Mord an ihren Lieblingen zunichte gemacht wird. Gegen allzu viel Demut und mangelnde Zivilcourage zielt der Streich gegen Schneider Böck, der bei der Jagd nach den Spitzbuben ins Wasser fällt. Lehrer Lämpel wird mit seiner Pfeife in die Luft gejagt und Onkel Fritz mit Maikäfern geplagt. Wenn es dem Bäcker auch nicht gelang, die beiden bösen Knaben zu Brot zu verbacken, so macht der Müller Max und Moritz den Garaus, indem er sie verschrotet. „Mit der finalen Schrotung der Bösewichter zerfällt die Ursache von Anarchie und Spott in saubere Stückchen“, so Gudrun Schury. Die kleinbürgerliche Ruhe, Ordnung und Langeweile ist im Dorf wiederhergestellt: „Als man dies erfuhr, / War von Trauer keine Spur…Kurz, im ganzen Ort herum / Ging ein freudiges Gebrumm: / Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei / Mit der Übeltäterei!“
„Ach, wie oft kommt uns zu Ohren, / Dass ein Mensch was Böses tat“. 1853 hatte Busch auch angefangen, die Sagen, Märchen, Sprüche und Lieder seiner Heimat aufzuzeichnen. Auch da wird verstoßen und verprügelt, die Ehe gebrochen. Warum war er so besessen vom Züchtigungsmotiv, warum die häufigen Exekutionen, die Kinderleichen oder elternlosen Kinder? Bannen statt sie zu verdrängen, war seine Devise, und so hat er sie karikiert. Busch verspottet das kleinbürgerliche Spießertum, entlarvt durch ironische Desillusionierung die bürgerliche Sentimentalität mit ihrer innewohnenden Grausamkeit, entzieht seinem skeptischen Pessimismus aber durch pointierten Humor dann auch wieder die Schärfe.
Aber eigentlich fühlte sich Busch doch als Maler. Da tat es ihm gut, dass eine gebildete Dame, die Bankiersgattin Johanna Kessler in Frankfurt am Main, das erste große Gemälde von seiner Hand besitzen wollte. „Liebstes Tantchen“, sprach Busch sie in seinen Briefen an, „Liebs guts Ungeheuer“, der Briefwechsel der beiden ist voll von Albernheiten, wehmütigen, aber stets züchtigen Andeutungen, die durchaus auch der Gatte zu Gesicht bekommen durfte.
1881, mit 49 Jahren, begann sich Busch zurückzuziehen. In den Bildergeschichten „Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter“ und „Maler Klecksel“ nahm er noch einmal die beiden Disziplinen seiner Kunst aufs Korn, bissig, gnadenlos, auch gegen sich selbst – dann hörte er mit den Spottgeschichten auf. Sein Bruder Otto hatte ihn mit dem Werk des Philosophen Arthur Schopenhauer bekannt, in dem er seine pessimistische Weltanschauung bestätigt sah. In seiner Lyriksammlung „Kritik des Herzens“ (1874) versteckte Busch das weltanschaulich Bedenkenswerte hinter scheinbar gemütlich Tändelndem und liedhaft Schlichtem.
Der einst so bissige Satiriker beschränkte sich jetzt auf die Naturbetrachtung und das Schreiben. Empörung, Angriffslust und Bitterkeit wandelten sich in freundliche Milde, in einen heiteren, lebensklugen Humor. Hatte er seinen Frieden gemacht mit den Menschen und dem Lauf der Dinge? In seinen Gedichten kommt so manch abgeklärte Weisheit ganz ländlich bescheiden und scheinbar naiv daher. „Oh weh! Ich war im Kreis gelaufen“, resümiert er in seinem 75. Lebensjahr, „stand wiederum am alten Platze, und vor mir dehnt sich lang und breit, wie ehedem, die Ewigkeit“. War er tatsächlich im Kreis gelaufen, hatte er nun wirklich seine Ruhe gefunden?
Für einen, der spöttischer Beobachter der kleinbürgerlichen Idylle, der scheinheiligen Frömmelei und des Spießerglücks am Herd der Familie wurde, waren Distanz, Misstrauen, die Scheu vor Berührung und Nähe Voraussetzung. Immer hielt er sich am Rande: in der Feldmark statt im Dorf, in Wiedensahl statt später in München, Frankfurt oder Antwerpen. Am Beobachten war ihm mehr gelegen als am Dabeisein. Busch blieb ein Hagestolz, einer, der Einsamkeit suchte und dennoch an ihr litt, der Frauen verehrte, aber nie geheiratet, nie eine eigene Familie gegründet hat. Das in seinen Bildergeschichten so gern belächelte Familienleben blieb eine Sehnsucht, solange er lebte. „Unbefriedigte Liebe“, so heißt bei Gudrun Schury das Schlüsselwort für Buschs Lebensgeschichte. Reicht das aus? Denn wie oft ist auch gallige Bitternis aus den launigen Episoden herauszulesen.
Zum 100. Todesjahr sind schließlich die „Ausgewählten Werke“ Wilhelm Buschs in einer wohlfeilen Taschenbuchausgabe erneut erschienen. Besorgt wurde sie von dem intimen Busch-Kenner Gert Ueding, dessen Werk „Wilhelm Busch. Das 19. Jahrhundert en miniature“ von 1977 jetzt ebenfalls in einer Neuausgabe vorliegt. Bestechend geschrieben sein biografisch orientiertes Nachwort, das manches von der verwirrenden Vielfalt der Schudryschen Biografie auf den Punkt bringt.
Wohl durchdacht auch die getroffene Text- und Bild-Auswahl: „Diogenes und die bösen Buben von Korinth“, „Der Eispeter“, „Max und Moritz“, „Hans Huckebein, der Unglücksrabe“, „Die fromme Helene“. „Tobias Knopp. Abenteuer eines Junggesellen“, „Fipps, der Affe“ und „Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter“. Zu bedauern ist, dass die „Bilder zur Jobsiade“ fehlen, in denen Busch das längst vergessene satirische Epos von Carl Arnold Kortum kongenial umsetzte und abwandelte – eigentlich eine Buchillustration, der er sich bisher immer verweigert hatte und die ihm zum eigenen Werk geriet.
Aus den Lyrikbänden ist eine knappe, aber charakteristische Auswahl von Gedichten getroffen worden. Ebenso werden die „Volksmärchen“ nicht vergessen. „Eduards Traum“ ist Buschs erste eigenständige Erzählung, eine weltanschauliche Parabel in Form eines Traums. In einem mathematischen Spiel wird der zu einem „denkenden Punkt“ geschrumpfte Träumer Eduard in eine Fülle grotesker Abenteuer und Phantasielandschaften verwickelt, die ihn zu kuriosen Beobachtungen und sarkastischen Reflexionen veranlassen. Hier sind allerdings auch ein paar antisemitische Formulierungen festzustellen, die einer Kommentierung bedurft hätten.
„Was mich betrifft“ lautet der Titel der Kurz-Autobiografie (die andere, „Von mir über mich“ druckt Gudrun Schury im Anhang ihres Buches ab), mehr die verärgerte Korrektur einer „lustigen Streitschrift“, die ein Zeitgenosse über Busch zu verfassen wagte. Seitdem traute sich zu seinen Lebzeiten kein Biograf mehr an ihn heran. Dieses lapidare autobiografische Zeugnis wird ergänzt durch die Briefe an Johanna Kessler, für die Busch Verehrung und Zuneigung empfand, in die sich aber auch Liebesempfinden mischen, wie Gert Ueding schreibt.
Dankenswerterweise werden dem Band auch Zeichnungen und Gemälde beigegeben (in besserer Druckqualität sind sie auch in der Biografie von Gudrun Schury zu finden), die den ernst zu nehmenden bildenden Künstler Wilhelm Busch zeigen. Dieser hat mehr als 1000 Ölgemälde und etwa 2000 Zeichnungen hinterlassen, ist aber trotz mehrfacher Ausstellungen in letzter Zeit von der breiten Öffentlichkeit bisher wenig wahrgenommen worden. War Busch ein Impressionist? Ein Spätromantiker? Oder gar einer, der den Expressionismus vorwegnahm? Der Maler Busch hielt sich fern von künstlerischen Moden und Strömungen, er blieb ein Einzelgänger.
Sehen und Erkennen haben in seinen Bildern Vorrang vor Arrangieren und Komponieren, und gegenüber dem getreuen Abbild hatte für Busch die Idee von Wachstum und Wind, von den Urkräften der Natur, ihrem Zauber, ihrem Geheimnis Vorrang. Begegnet war er alledem, immer wieder – vor allem in der Feldmark bei Wiedensahl. Immer wieder setzte Busch in seinen Naturstudien, etwa „Grüner Waldrand mit roter Figur“ (um1892/94), winzig klein hingetupfte Menschlein den tobenden Kräften von Wind und Wetter aus. Ist der rote Farbfleck in all dem tosenden Braun, Grün und Blau nichts anderes als ein artistisch gesetzter Farbkontrast? Eine kunsthistorisch versierte Anspielung auf romantische Vorbilder? Oder spielt Busch auf seine eigene Existenz an, als Einzelgänger in einem stürmischen Leben? Die Deutung bleibt offen.
Zu bessern ist der Mensch nicht – nur zu erheitern. So lautet das Busch-Fazit auch von Gudrun Schury. Seiner „Frommen Helene“ hat der in Bildern Schreibende zum 36. Geburtstag ein Gedicht gewidmet, worin es heißt: „Du hast dich nicht gebessert, bleibst die Gleiche… Und eben dies macht uns ein Hauptvergnügen“.
Literaturangaben:
BUSCH, WILHELM: Wie wohl ist dem, der dann und wann sich etwas Schönes dichten kann. Ausgewählte Werke. Herausgegeben von Gert Ueding. Reclam, Stuttgart 2007. 650 S., 9,90 €.
SCHURY, GUDRUN: Ich wollt, ich wär ein Eskimo. Das Leben des Wilhelm Busch. Biografie. Aufbau Verlag, Berlin 2007. 412 S., 24,95 €.
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