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Neuer Thomas-Mann- Literaturpreis

Streit zwischen Lübeck und München beigelegt

© Die Berliner Literaturkritik, 31.07.09

MÜNCHEN (BLK) - Der Streit um den Mann und seinen Namen ist zu Ende: In Zukunft wird es in Deutschland statt zwei wieder nur noch einen Thomas-Mann-Literaturpreis geben. Nach einer zum Teil heftig geführten Auseinandersetzung haben die Bayerische Akademie der Schönen Künste und die Hansestadt Lübeck ihre nach dem Schriftsteller benannten Auszeichnungen zusammengelegt, wie beide am Donnerstag in München bekanntgaben. Damit legen sie zum einen einen Streit bei, zum anderen schaffen sie nach eigenen Angaben einen der höchstdotierten Literaturpreise in Deutschland. Die Auszeichnung wird künftig einmal im Jahr vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Feiern finden abwechselnd in Lübeck und München statt.

„Es ist einfach eine unglückliche Situation, wenn es in der Republik zwei Preise mit demselben Namen gibt“, sagte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe. Im vergangenen Jahr hatte die Akademie in München ihren Großen Literaturpreis in Thomas-Mann-Literaturpreis umbenannt und damit im Norden für Ärger gesorgt. In Manns Geburtsstadt Lübeck wurde nämlich bereits seit 1975 ein Preis mit dessen Namen vergeben. Die Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft hatte der Akademie vorgeworfen, mit der Umbenennung zu versuchen, das problematische Verhältnis Münchens zu Thomas Mann zu glätten. Durch die zwei Preise aber werde der Ruf des „Buddenbrooks“-Autors beschädigt.

Mann hatte vor seiner Flucht vor den Nationalsozialisten in München gelebt. Kurz nach der Gründung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 1948 war er als eine Art Ehrenmitglied mit Sonderstatus aufgenommen worden. Allerdings hatte er in München auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst nicht nur Fürsprecher.

„Es war unüberlegt, aber nicht schön“, sagte Dieter Borchmeyer von der Akademie zur Umbenennung des Preises. Er habe sich in einem Brief persönlich entschuldigt, die Stadt Lübeck habe daraufhin Gesprächen zugestimmt. Die Akademie habe ihren Preis damals ohne Rücksprache mit Lübeck umgetauft. Das sei allerdings nicht aus bösem Willen geschehen. „Letztendlich ist ja jetzt alles zu einem sehr guten Ende gekommen“, sagte Borchmeyer.

Während der bayerische Preis mit 15.000 Euro dotiert war und es für den Lübecker alle drei Jahre 10.000 gab, liegt das Preisgeld nun deutlich höher. Die Kriterien bleiben allerdings dieselben. Die Auszeichnung wird entweder für das Lebenswerk eines Autors oder für herausragende literarische Vermittlung vergeben. Die siebenköpfige Jury setzt sich aus Vertretern beider Seiten zusammen. In Lübeck waren in der Vergangenheit unter anderem Marcel Reich-Ranicki und Günter Grass ausgezeichnet worden, in München Peter Handke. Auch bei der ersten Vergabe des gemeinsamen Preises am 6. Dezember in München sei ein prominenter Name zu erwarten, kündigte Borchmeyer an. (dpa/ber/mül)


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