LEIPZIG/BERLIN (BLK) - Trotz der Plagiatsvorwürfe ist die junge Bestseller-Autorin Helene Hegemann (17) für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden. Die Jury tagte bereits Ende Januar, also bevor bekannt wurde, dass die Autorin teils im Internet abgeschrieben hat. Sie blieb aber bei ihrer Entscheidung. „Diese junge Frau ist unserer Auffassung nach extrem begabt“, sagte Jury-Vorsitzende Verena Auffermann am Donnerstag (11.02) der dpa. Ihr Verlag habe der Jury bestätigt, dass im Urheberrechtsstreit „alles einen ordentlichen Weg geht“. Am Donnerstag (11.02) wurden allerdings neue Plagiatsvorwürfe gegen die Autorin laut. Hegemann ist mit Jan Faktor, Georg Klein, Lutz Seiler und Anne Weber in der Buchmessepreis-Kategorie „Belletristik“ nominiert.
Bei der Diskussion um Hegemanns Debüt dürfe nicht vergessen werden, dass für den Buchpreis auch noch weitere „außerordentlich interessante und bemerkenswerte Neuerscheinungen“ gewählt wurden, sagte Auffermann. So sei „Die Zeitwaage“ von Lutz Seiler ein „unglaubliches Buch von allerhöchster literarischer Qualität“. „Luft und Liebe“ von Anne Weber bezeichnete Auffermann als „leicht und geistreich“.
Georg Klein habe mit seinem „Roman unserer Kindheit“ ein monströses Werk geschaffen, dass in der bekannten wuchtigen, grellen und zugleich dunklen Sprache des Autors verfasst sei. „Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag“ von Jan Faktor schließlich seien 600 Seiten voller Schallkraft der Poesie mit „überschäumender Sprachlust und Komik“, sagte die Jury-Chefin.
Der Preis für herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen wird auf der kommenden Leipziger Buchmesse (18. bis 21. März) zum sechsten Mal vergeben. Er ist mit 45.000 Euro dotiert. Die Summe wird auf die Gewinner der drei Kategorien – neben „Belletristik“ noch „Sachbuch/Essayistik“ und „Übersetzung“ - aufgeteilt. 760 Werke wurden eingereicht.
Als beste Sachbücher kürte die Jury „Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück“ von Michael Hampe, „Die Brüder Grimm. Eine Biographie“ von Steffen Martus, „Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben“ von Ulrich Raulff, „Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen“ von Frank Schirrmacher sowie „Raffinierte Kunst: Übung vor Reproduktionen“ von Wolfgang Ullrich.
Für die besten Übersetzungen wurden Ulrich Blumenbach („Unendlicher Spaß“), Christian Hansen („2666“), Grete Osterwald („Waltenberg“), Rosemarie Tietze („Anna Karenina“) und Hubert Witt („Wilner Ghetto 1941-1944“) nominiert. (dpa/kör)
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