Von Caroline Bock
BERLIN (BLK) – Am Ende kommt das hintersinnige „Judenspiel“. Oliver Polak steht auf der Bühne des Quatsch Comedy Clubs in Berlin und fordert das Publikum auf zu raten, ob Prominente wie Alfred Biolek „Juden“ sind oder „normal“. Und tatsächlich blöken die Zuschauer auf Kommando brav mit, das Lachen bleibt einem etwas im Halse stecken. Polak, aufgewachsen in einer jüdischen Familie in der niedersächsischen Provinz und ehemaliger Moderator bei Viva und RTL, macht derzeit mit jüdischer Comedy Karriere. Passend dazu hat der 32 Jahre alte Wahl-Berliner ein autobiografisches Buch geschrieben. „Ich darf das, ich bin Jude“ (Kiepenheuer & Witsch) heißt es, eine Art „Generation Golf“ auf jüdisch.
In den USA gibt es den großen Woody Allen und die gefeierte Komödiantin Sarah Silverman, im deutschen Film pflegt der Schweizer Regisseur Dani Levy („Mein Führer“) die Tradition des jüdischen Humors. In Deutschland hat Polak die Nische im Comedyfach entdeckt – schwarzhumorig, selbstironisch, manchmal etwas derbe. Der Ton rangiert irgendwo zwischen seinem Unterstützer Maxim Biller und Fernsehcomedy wie bei Stefan Raab, bei dem Polak ein Praktikum absolvierte.
Polaks dunkles Haar türmt sich auf dem Kopf, er trägt Jogging- Hosen und Kapuzenpulli. Auf dem Buchcover posiert er mit einem Schäferhund samt David-Stern. Im Vorwort plädiert er auf seine Weise für einen unverkrampften Umgang mit der Nazi-Zeit: „Wie lange ist diese dumme Geschichte jetzt her? Über 60 Jahre, oder? Treffen wir doch für die Dauer der Lektüre folgende Vereinbarung: Ich vergesse die Sache mit dem Holocaust – und Sie verzeihen uns Michel Friedman.“
Wenn Polak schlecht drauf ist, liest er gern die Pressemitteilungen des Zentralrats der Juden in Deutschland, steht in seinem Buch. „Und dann geht es mir gleich besser, weil ich sehe, dass ich im Vergleich doch gar nicht so mies drauf bin.“ Polak sieht den Tabubruch nicht als Selbstzweck: „Ich bin überhaupt kein Typ, der denkt, jetzt muss man mal provozieren, um des Provozierens Willen“, sagt er im dpa-Gespräch. Er will auch nicht den Maßstab des Zulässigen bestimmen. „Ich kann nicht für ‚man’ sprechen, ich kann für mich sprechen.“
Polaks Kurzmemoiren, die er gemeinsam mit Autor Jens Oliver Haas verfasst hat, lesen sich in einem Rutsch durch. Sie sind locker geschrieben und würden sich auch zur Entkrampfung des Themas im Unterricht für Schüler eignen, die sonst lieber MTV gucken als ein Buch zu lesen. Man erfährt etwa, wie der kleine Oliver in der einzigen jüdischen Familie im Umkreis von 36 Kilometern in Papenburg aufwuchs, was es heißt, eine jüdische (Über-)Mutter zu haben und mit einem Vater gesegnet zu sein, der Schüttelreime liebt und mit 80 noch Hosenträger mit Comic-Motiven trägt.
Derzeit arbeitet Polak an seinem ersten kompletten Bühnenprogramm, das im Frühsommer Premiere feiern soll. Außerdem ist eine Lesereise im Frühjahr mit dazugehörigem Hörbuch geplant. Auch an einem zweiten Buch sitzt Polak bereits. Der Arbeitstitel: „Thora reloaded“.
Literaturangaben:
POLAK, OLIVER: Ich darf das, ich bin Jude. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008. 192 S., 8,95 €.
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