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Persönliche Leipziger Buchmesse

Kleine und mittlere Verlage schätzen an Leipzig das Profil einer Autoren- und Publikumsmesse

Von: LUTZ STEINBRÜCK - © Die Berliner Literaturkritik, 14.03.08

 

LEIPZIG (BLK) – Klar: Dieser Tage dreht sich in der Messestadt fast alles ums Buch. Über 2.000 Aussteller sind zur Zeit der Leipziger Buchmesse vom 13. bis zum 16. März vor Ort. In so großer Zahl und so geballt sind Verlage, Autoren und ihre Leser sonst nirgendwo anzutreffen – außer im herbstlichen Frankfurt am Main. Auch klar: Selten sind ihnen das Medienecho und großer Zuschauer-Zuspruch so sicher wie hier. Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht: In diesem Jahr gibt es einen leichten Zuwachs bei kleineren und mittleren Verlagen, wie der Leipziger Buchmesse-Direktor Oliver Zille in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erklärte. Damit bilden diese knapp die Hälfte aller Aussteller.

Kleinere Verlage im Fokus

„Ich denke, im Wesentlichen hängt es damit zusammen, dass sie stark unter  Druck sind, Öffentlichkeitsarbeit gegenüber ihrem Lese-Publikum zu leisten“, so Zille weiter. „Die Konzentration im Buchhandel führt dazu, dass die kleinen Verlage dort nicht mehr wahrnehmbar sind.“ Foren wie die Buchmesse seien für sie ein effizientes Instrument, ihr Lese-Publikum und die Medien zu erreichen. Und was sagen die Verleger kleinerer Verlage dazu? Was lockt sie auf die Leipziger Buchmesse? „Die Berliner Literaturkritik“ hat einige von ihnen befragt.

Britta Jürgs ist Verlegerin beim Berliner AvivA Verlag. Sie bestätigt Zilles Aussagen und findet es wichtig, sich hier zu zeigen, vor allem, weil „kleinere Verlage in Leipzig stärker wahrgenommen werden als auf der Frankfurter Buchmesse“. Als Plus sieht sie auch, dass sowohl sie selbst als auch die Messebesucher hier mehr Zeit für Gespräche haben. „Deshalb kann man mit anderen Buchhändlern, Lesern oder Journalisten besser über das Verlagsprogramm sprechen und den Gedankenaustausch vertiefen.“ In Frankfurt hingegen stünde das Geschäft stärker im Vordergrund. Im Ergebnis bedeutet das: mehr Termine und gezieltere Gesprächsanlässe. Monika Meffert vom Wallstein Verlag (Göttingen) kann das bestätigen: „Zwar sind die Gespräche in Frankfurt von konkreterem Wert. Aber in Leipzig ergeben sich immer wieder Runden, aus denen sich Unvorhergesehenes ergibt, ein toller Austausch im Sinne eines kreativen Pools.“

Geschäfte in Frankfurt, Persönliches in Leipzig

Einschätzungen, die Daniela Seel von kookbooks (Berlin/Idstein) teilt: „In Frankfurt geht es eben eher um Lizenzgeschäfte. Leipzig ist ein guter Ort für persönliche Erstkontakte mit Autoren. Es eignet sich auch dafür, eigene Entdeckungen zu machen. Typisch für Leipzig ist außerdem das große Publikumsinteresse, gewachsen in der Tradition von ‚Leipzig liest’.“ Das selbst ausgerufene Leipziger Profil, in Abgrenzung zum Frankfurter Pendant primär eine Autoren- und Publikumsmesse zu sein, ist offenbar nachhaltig geschärft.

Dies bestätigen auch andere Repräsentanten kleinerer und mittlerer Verlage mit ihren Aussagen. Nina Wagenbach vom Verlag Klaus Wagenbach (Berlin) schätzt den direkten Kontakt zu den Lesern, sozusagen „ohne den Filter der Buchhandlungen“. Besonders in der ostdeutschen Region sei die Messe sehr wichtig für die Öffentlichkeitsarbeit des Verlages und die Aufmerksamkeit der Medien enorm. Lucie Kostmann vom Berliner Verlagshaus Matthes & Seitz formuliert das in ähnlicher Weise. 15 Lesungen ihrer Autoren in vier Tagen belegen den hohen Wert von Leipzig als Publikumsmesse für den Verlag, der kürzlich mit dem Kurt-Wolff-Preis 2008 ausgezeichnet worden ist.

Treffpunkt Leseinsel

Zentraler Treffpunkt kleinerer Verlage ist die Leseinsel junger Verlage in Halle 5. Hier präsentieren Independent-Verlage ihre Autoren und Programme. Daniel Beskos vom mairisch Verlag (Hamburg/Berlin) sieht diese Ballung als Vorteil. Kleinere Verlage würden auch durch ihre gebündelte Präsentation stärker wahrgenommen als in Frankfurt. Dazu käme ein reger Austausch untereinander, die Atmosphäre nennt er familiär. Sieben dieser Verlage kommen aus der Region, darunter die Leipziger Verlage Poetenladen, Voland & Quist und die Connewitzer Verlagsbuchhandlung. Erstmals sind in diesem Jahr Glück und Schiller, Lilienfeld, Primero, Schwarzer Freitag, Salis aus Zürich und ein Gemeinschaftsstand junger Literaturmagazine am Start.

Davon, dass ein Gründungsboom zu höheren Standzahlen bei kleineren Verlagen geführt hat, kann man aber nicht sprechen. Dieser lässt sich eher auf die Jahre 2002 bis 2004 datieren (kookbooks, blumenbar oder der mairisch Verlag, der seit 2004 im Buchhandel vertreten ist). Einige der Kleinverlage schmieden auch außerhalb der Leseinsel Allianzen und haben kurz vor Weihnachten 2007 einen gemeinsamen Presse-Versand organisiert. Daran beteiligten sich unter anderem der Verbrecher Verlag, kookbooks und Tisch 7.

Doch auch wenn die Zahl der kleineren Verlage auf der Leipziger Buchmesse sich leicht erhöht hat, bleibt die Standgebühr für viele Vertreter ihrer Zunft eine finanzielle Hürde, die sie nicht nehmen können. Ein Messe-Auftritt kostet um die 1.000 Euro. Ihnen bleibt die Rolle des Besuchers, die eine Menge von ihnen sicher wahrnehmen. Denn wie gesagt: In der Messestadt dreht sich in diesen Tagen fast alles ums Buch.

Lutz Steinbrück arbeitet als freier Journalist in Berlin


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