FRANKFURT AM MAIN (BLK) – Die Aufarbeitung des Antisemitismus in Polen sei ein bisher wenig erforschter Gegenstand, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“). In Agnieszka Pufelskas Buch „Die ‚Judäo-Kommune’ – Ein Feindbild in Polen“ werde versucht, das Thema anhand der „Geschichte, Vorgeschichte und Folge“ des Holocausts zu erhellen.
Die Juden Polens wurden als heimatlos stehend zwischen Davidstern und russischem Adler gesehen. Dass Polen trotz mehrerer vergeblicher Aufstände von 1815-1918 unter russischer Kuratel stand, wurde den Juden – von „nationalklerikalen“ Kreisen angeheizt – zum Vorwurf gemacht. Nach Polens Sieg gegen Russland (1920) wurden Juden als „Statthalter Moskaus“, die im Auftrag Stalins agierten, diffamiert, schreibt die „FAZ“. Obwohl 90 Prozent den Krieg nicht überlebten, galten sie dennoch als Kriegsgewinnler. Die verbliebenen Juden wurden weiterhin Opfer von teils tödlichen Pogromen.
Pufelskas diffizile Abhandlung lasse sich schwerlich mit dem starren Korsett einer Rezension vermitteln, findet der Rezensent der „FAZ“, Manfred Funke. Die Frage sei, ob es der Autorin damit gelinge, eine Tür für weiterführende Diskussionen aufzustoßen. (sat/wip)
Literaturangaben:
PUFELSKA, AGNIESZKA: Die „Judäo-Kommune“ – Ein Feindbild in Polen. Das polnische Selbstverständnis im Schatten des Antisemitismus 1939-1948. Schöningh Verlag, Paderborn 2007. 284 S., 39,90 €.
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