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Prix Goncourt an afghanischen Autor Rahimi

Der 46-Jährige wurde für seinen Roman „Der Stein der Geduld“ ausgezeichnet

© Die Berliner Literaturkritik, 11.11.08

 

PARIS (BLK) – Der renommierteste französische Literaturpreis, der „Prix Goncourt“ 2008, geht an den französisch-afghanischen Schriftsteller Atiq Rahimi für seinen Roman „Syngué Sabour. La pierre de Patience“ („Der Stein der Geduld“). Wie die französischen Medien am Montag mitteilten, handelt es sich bei dem Roman um das vierte Buch des 1962 in Kabul geborenen Schriftstellers. Das auf Französisch geschriebene Werk erzählt die Geschichte einer afghanischen Frau, deren Mann im Krieg schwer verletzt wurde und im Koma liegt. Das Werk des 46-Jährigen, der seit 1985 in Frankreich lebt, wurde von Kritikern als eines der besten Bücher dieser Saison bezeichnet. Der Preis ist mit symbolischen 10 Euro dotiert.

Die Entscheidung für den 46-Jährigen, der mit vier weiteren Autoren im Rennen um den begehrten Preis war, fiel bereits im zweiten Wahlgang mit 7 gegen 3 Stimmen.

Das Werk Rahimis, der seit 1985 in Frankreich lebt, wurde von Kritikern als eines der besten Bücher der Saison bezeichnet. Der Roman ist in Monologform geschrieben und beschreibt die Ängste einer Frau, deren Mann durch eine Kugel im Nacken schwer verletzt wurde. Das Buch bringt nicht nur die Trauer einer liebenden Frau zum Ausdruck, sondern auch den Hass gegen ein System, in dem Frauen unterdrückt werden sowie den Wunsch nach politischer und religiöser Freiheit.

Rahimi wurde in Deutschland mit dem 2002 veröffentlichten Buch „Erde und Asche“ bekannt. Dieser Roman beschreibt die Reise eines afghanischen Großvaters, der mit seinem Enkel durch das verwüstete Land zieht, um vom Tod aller Verwandten zu berichten. Der gefeierte Debütroman diente Rahimi 2006 als Vorlage für seine ersten erfolgreichen Schritte als Regisseur. Der gleichnamige Film lief 2007 in Deutschland an. Sein jetzt ausgezeichnetes Werk wird unter dem Titel „Stein der Geduld“ im Herbst 2009 auf Deutsch im Ullstein Verlag erscheinen. Von Rahimi liegt auf Deutsch bislang neben „Erde und Asche“ auch „Der Krieg und die Liebe“ (beide bei Claassen) vor.

Der gleicheitig vergebene Renaudot-Preis ging an Tierno Monénembo für „Le roi de Kahel“ (Der König von Kahel). Das Werk des 1947 in Guinea geborenen Schriftstellers Monénembo beschreibt die Lebensgeschichte des Forschers und Abenteurers Aimé Olivier Vicomte de Sanderval (1840-1919), der nach einer Karriere in der chemischen Industrie Frau und Kinder verlässt, um an einer Expedition nach Guinea teilzunehmen. Er war der erste Europäer, der das Königreich des Almamy in Fouta Djallon besuchte, dem zentralen Hochland Guineas. Monénembo lebt heute in Frankreich und gilt als einer der führenden Vertreter der jungen afrikanischen Literatur.

Der Prix Goncourt ist ein Literaturpreis, der seit 1903 jeweils im Spätherbst von der 1900 gegründeten Académie Goncourt vergeben wird. Er soll das beste erzählerische Werk auszeichnen, das im laufenden Jahr in französischer Sprache erschienen ist. Benannt wurde der Preis nach den Schriftsteller-Brüdern Edmond und Jules de Goncourt. (dpa/tam)


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