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Rademacher liest ohne Rücksicht auf Verluste

Autor Falko Rademacher stellt „Buch für Berlinhasser“ vor

© Die Berliner Literaturkritik, 30.01.11

Von Sophie Werner

BERLIN (BLK) – Berlin ist nicht nur Hauptstadt, es ist auch ein Magnet für Kuriositäten, gelebten Wahnsinn und nicht zu vergessen auch ein magischer Ort der  Lebenskünstler: Die Berliner (und Wahl-Berliner). Jetzt ist es an der Zeit, dass Falko Rademacher das  „unretuschierte“ Leben der Hauptstädter genauer unter die Lupe nimmt.

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Die Lesebühne des Roten Salons schien am Donnerstag (27.1.) der richtige Ort für die Präsentation Rademachers neusten Buches zu sein. Doch eigentlich hätte der humorvolle Autor sich in die nächste U-Bahn setzen und dort das gemeine Volk während seines gelebten Wahnsinns unterhalten müssen. Das neonfarbene, 222 Seiten umfassende Buch schreit förmlich nach der Berliner Wirklichkeit und deren „paranoiden Spinnern“. Wir stellen fest: Rademacher nimmt kein Blatt vor den Mund. Seine herrlich ironische Ausdrucksform zieht sich durch sein gesamtes Werk.

Rademacher lässt kein Klischee außer Acht. Selbstverständlich werden „der Berliner Szenebezirk / Prenzlauer Berg / und der Rest“ nicht verschont. Rademachers   elegante Art, beispielsweise die Wandlung des Bezirks Prenzlauer Berg in „Edelkreuzberg“ münden zu lassen, zaubert nicht nur dem Berliner Zuhörer ein Lächeln ins Gesicht. Wie gut können wir uns damit identifizieren?

Berlin als „Zentrum der konzentrierten Kriminalität“. Dieses Kapitel klingt nach einer ernsten Ansprache, einem Versuch, die verheerende Situation Berlins sachlich zu erläutern und nicht unbedingt nach einem heiteren Defizit der Hauptstadt. Doch der sympathische „Berlinhasser“ schafft auch das. Rademacher bezwingt die Ernsthaftigkeit in jedem Nebensatz und verweist mit einem Schmunzeln auf die Komik mancher Zustände. Hierbei wird jedoch erstmals deutlich, dass bestimmte Verhältnisse nicht nur in Berlin anzutreffen sind. Nicht jede Eigenart ist typisch Berlin. Diese Tatsache lenkt nicht von der äußerst charmanten Art Rademachers ab, denn auch Nicht-Berliner kommen hierbei auf ihre Kosten. Unterhaltsam ist seine ungeschönte und herrlich ausgelassene Erzählweise allemal. 

Diese wird ebenso wunderbar komisch in dem von Rademacher vorgetragenen Kapitel dargestellt, das der BVG der S-Bahn und ihren Fahrgästen gewidmet ist. Diese lesenswerten Seiten bilden den Gipfel der scharfen Beobachtungen Rademachers. Gruppen von Fahrgästen, die sich in ihrer Seltsamkeit überbieten, sind das Hauptaugenmerk der Lesung. Ein Blick in die Zuhörerschaft und er stellt fest, dass einige der Anwesenden einen sofortigen Bezug zu den „herrlich dissonant spielenden Musikern“, den „ungehemmten Jugendlichen“ oder den „nervigen Berliner Kindern“ aufbauen – oder sich gar in den in wild gewordenen „Fressern“, wie Rademacher sie beschreibt, selbst wiedererkennen dürfen. Leises und gleich wieder verstummendes Kichern oder auch laut schallendes Gelächter sind Reaktionen auf Rademachers schamlose Beobachtungen und Beurteilungen der „außer Kontrolle geratenen Fahrgäste“.

Die Nachvollziehbarkeit dieser Umstände geht doch weiter, als zu Beginn angenommen. „Nicht nur die Berliner U-Bahn ist eine ganz eigene Welt, ganz Berlin ist eine eigene Welt“, meint Rademacher. Diese faszinierende und unterhaltsame Komik verleiht ihm eine Sympathie, die sich in Berlin gewaschen hat. Wenn er jedoch Eigenarten darstellt, die nicht nur typisch für die kuriose Hauptstadt sind, dann ist dies nicht nur „fast eine Liebeserklärung“ an Berlin – sondern im übertragenen Sinne „fast eine Liebeserklärung“ an die gesamte Menschheit. 

Literaturangabe:

Falko Rademacher: Das Buch für Berlin-Hasser. Fast eine Liebeserklärung. Berlin-Edition im be.bra Verlag, Berlin. 222 S., 14,95 €

 


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