BERLIN (BLK) – Die „SZ“ bespricht die Autobiografie des kürzlich verstorbenen Informatik-Professors Randy Pausch. Die „FAZ“ rezensiert Dalia Sofers Roman „Die September von Schiras“, der von einer jüdischen Familie im Iran erzählt. Außerdem in der Presseschau: Martin Mosebach, William Boyd und Ryszard Kapuscinski.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Die „FAZ“ bespricht den Band „Der Andere“ von Ryszard Kapuscinski. Die Veröffentlichung vereint Vorlesungen des polnischen Journalisten, die er im Jahr 2007 am „Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen“ gehalten hat. Kapuscinski setzt sich damit auseinander, wie man „dem Anderen“ im Alltag oder auf Reisen begegnet. Beeinflusst habe ihn bei seiner Theorie über „den Anderen“ besonders die Philosophie Emmanuel Lévinas’. Mit „einfachen“ und „unakademischen Worten“ gebe Kapuscinski dessen Grundsätze wieder und lege einen Eindruck seiner Ansichten dar, die er selbst auf seinen Reisen und im Kontakt mit fremden Kulturen vertreten habe, lobt der Rezensent.
Die „FAZ“ beurteilt den Reportageband „Herrschaften wünschen zahlen“ von Roland Girtler. Der österreichische Autor portraitiert das Leben verschiedener Kellner und erzählt, was sie dazu veranlasste, diesen Beruf zu wählen. Auch Einblicke in „ungewöhnliche Betriebe“, wie zum Beispiel Gefängnisse oder Bordelle, gewährt der Autor. Der Rezensent kritisiert, dass Girtler keine wertvollen Forschungsergebnisse präsentiere, sondern lediglich Schwätzchen mit Kellnern abgehalten habe und diese anschließend veröffentlichte.
Die „FAZ“ rezensiert Dalia Sofers Roman „Die September von Schiras“. Die iranische Autorin erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie im Iran. Eines Tages wird der Familienvater Isaac Amin von der Polizei verhaftet. Obwohl er sich keiner Schuld bewusst ist, versucht man, mittels Folter ein Geständnis von ihm zu bekommen. Währenddessen muss Isaacs Frau die Familie zusammenhalten. Der Roman sei gut konzipiert, lobt die Rezensentin. Lediglich die Konstruktion von Gut und Böse sei mitunter recht einfach gestaltetet.
„Neue Zürcher Zeitung“
Die „NZZ“ stellt den Roman „Die Frau unseres Lebens“ von Carla Guelfenbein vor. Die chilenische Autorin erzählt darin die Geschichte von Antonio, der zur Zeit der chilenischen Diktatur in England studiert. Als er von der Ermordung seines Bruders erfährt, kehrt er in seine Heimat zurück. 15 Jahre später trifft er sich mit seinem damaligen besten Freund Theo, den er noch aus England kennt. Guelfenbein ziehe ein bitteres Resümee der chilenischen Vergangenheit, bemerkt die Kritikerin. Die Autorin zeige, dass die Verbürgerlichung die Diktatur abgelöst habe.
„Süddeutsche Zeitung“
Die „SZ“ rezensiert Mariusz Szczygiels Reportagen „Gottland“. Der polnische Journalist zeigt anhand von mehreren Portraits die Entwicklungen in Tschechien nach dem Prager Frühling im Jahr 1968. So werden unter anderem die Schicksale der Schauspielerin Lida Baarova und des Sängers Karel Gott erzählt. Der Autor werde von einem spezifisch polnischen Interesse geleitet, bemerkt der Rezensent. Er wolle ergründen, warum gerade das freiheitsliebende tschechische Volk ein solch tristes und graues Regime hingenommen habe.
Die „SZ“ bespricht die Autobiografie „Last lecture“ des kürzlich verstorbenen Informatik-Professors Randy Pausch. Der Band beinhaltet die bekannte letzte Vorlesung des Professors, die er 2007 an der Universität Pittsburgh hielt und die ihm weltweite Bekanntheit verschaffte. Pausch, schon damals schwer an Krebs erkrankt, gab in dieser einen Einblick in seinen Alltag und das Leben mit einer Krebsdiagnose. Das Werk verschaffe einen guten Eindruck über das Funktionieren der heutigen USA, denn Pausch habe bis zu seinem Tod den amerikanischen Traum verkörpert, bemerkt die Rezensentin.
Die „SZ“ rezensiert die Erzählungen „Das Schicksal der Nathalie X“ von William Boyd. Die insgesamt elf Erzählungen folgten keinem festen Schema, bemerkt der Rezensent. So handeln sie mitunter von einem portugiesischen Handelskaufmann, der immer, wenn er seine Geliebte trifft, in eine Rolle schlüpft oder von einer Begegnung Georg Trakls mit Ludwig Lichtenstein. Der Autor nehme sich spielerisch verschiedener Genres an, ohne sich auf eines festzulegen, lobt der Rezensent und fährt fort, dass das Werk viele interessante Stimmen zu Wort kommen lasse.
Die „SZ“ bespricht das Werk „Der Reichstagsbrand – Karriere eines Kriminalfalls“ des jungen Historikers Sven Felix Kellerhoff. Der Autor analysiert anhand eines „peniblen Quellenstudiums“, unter anderem Kabinetts- und Vernehmungsprotokolle, die Ereignisse und Folgen des verheerenden Brandes von 1933. Zum Schluss komme er jedoch zu einem banalen Resultat, denn der Autor halte es für erwiesen, dass der Niederländer Marinus van der Lubbe den Brand alleine gelegt habe, bemerkt der Kritiker.
Die „SZ“ rezensiert Martin Mosebachs Roman „Stadt der wilden Hunde“. In der Provinz Bikaner, im Nordwesten Indiens, ist der Protagonist zu Gast bei einer wohlhabenden indischen Familie. Er erlebt das alltägliche Leben in einer kargen und ruhigen Landschaft, fernab von Wirtschaftswachstum und großen Städten. Religiöse Rituale und Heiligstätten bestimmen den Alltag der Menschen. Mosebach zeige das Leben in einer geschlossenen Gesellschaft, in der jeder eine feste Rolle habe, bemerkt der Kritiker. (zei/dan)
Literaturangaben:
BOYD, WILLIAM: Das Schicksal der Nathalie X. Erzählungen. Aus dem Englischen von Chris Hirte. Berlin Verlag, Berlin 2007. 189 S., 18 €.
GIRTLER, ROLAND: „Herrschaften wünschen zahlen“. Die bunte Welt der Kellnerinnen und Kellner. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien 2008. 401 S., 24,90 €.
GUELFENBEIN, CARLA: Die Frau unseres Lebens. Roman. Aus dem Spanischen von Thomas Brovot. Insel Verlag, Frankfurt am Main 2008. 300 S., 19, 80 €.
KAPUSCINSKI, RYSZARD. Der Andere. Aus dem Polnischen von Martin Pollack. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008. 93 S., 7,50 €.
KELLERHOFF, SVEN FELIX: Der Reichstagsbrand – Karriere eines Kriminalfalls. Be.bra Verlag, Berlin 2008. 160 S., 14,90 €.
MOSEBACH, MARTIN: Stadt der wilden Hunde. Nachrichten aus dem alltäglichen Indien. Carl Hanser Verlag, München 2008. 172 S., 16,90 €.
PAUSCH, RANDY / ZASLOW, JEFFREY. Last lecture. Die Lehren meines Lebens. Aus dem Amerikanischen von Yvonne Badal. C. Bertelsmann Verlag, München 2008. 238 S., 16,95 €.
SOFER, DALIA: Die September von Schiras. Roman. Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth. Carl Hanser Verlag, München 2007. 325 S., 19,90 €.
SZCZYGIEL, MARIUSZ: Gottland. Reportagen. Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008. 276 S., 19,80 €.
Andere Stimmen
Rezension im Original
Verlage
Internationale Presseschau vom 1. August 2008
Presseschau vom 25. Juli