BERLIN (BLK) – Die „FAZ“ stellt den Roman „Das Tahiti-Projekt“ von Dirk C. Fleck vor, und die „FR“ bespricht das neue Sachbuch von Jürgen Habermas, „Ach Europa“. Die „NZZ“ beschäftigt sich mit John Burnsides „Die Spur des Teufels“, und die „SZ“ ist angetan von Martin Cruz Smith’ Thriller „Stalins Geist“.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Stefanie Peter bespricht die Neuübersetzung von Bruno Schulz’ „Die Zimtläden“ sowie die auf Deutsch erschienene Biografie von Jerzy Ficowski mit dem Titel „Bruno Schulz 1892-1942. Ein Künstlerleben in Galizien“. Die Prosastücke „Die Zimtläden“ zählen zu der Art Literatur, die „durch und durch der Moderne und Avantgarde“ angehöre, urteilt Peter. Schulz schildere „bis in die letzte Faser“ Traumwelten, Mythos und Illusion, jedoch in „pessimistischer Wendung“. In seiner Biografie über Bruno Schulz versuche Jerzy Ficowski, Leben und Werk des Schriftstellers vollständig zu rekonstruieren und stelle eine Datenfülle vor, die sein Buch zu einer „zentralen Quelle der Schulz-Forschung“ mache.
In ihrem Buch „Titelkampf“ erzählen die Herausgeber Ralf Bönt, Albert Ostermeier und Moritz Rinke laut Untertitel „Fußballgeschichten der deutschen Autorennationalmannschaft“. Die „FAZ“ schreibt, dass die Autoren Fußball als „mythische Erzählung“ wahrnehmen, in der „gewitzte Götter oder (…) zu Tode betrübte Helden“ vorkommen. Die Welt des Fußballs sei für die „kickenden Literaten“ eine „Suche nach dem erfüllten Augenblick“. Fußball stelle für die Autoren sowohl eine „schöne Kunst des Scheiterns“ als auch einen „Zugang zum Sozialen“ dar.
Eine „sonnige Zukunftsvision“ alternativer Energien male Dirk C. Fleck in seinem Roman „Das Tahiti-Projekt“, bemerkt die „FAZ“. Die Geschichte handle von der Insel Tahiti im Jahre 2022, die mittlerweile eine „Öko-Insel“ geworden sei, da auf ihr umweltfreundliche Technologien genutzt werden. Der Journalist habe „haufenweise interessante Informationen“ recherchiert und ausführlich dokumentiert, dass es all die technologischen Entwicklungen, die in der Geschichte vorkommen, bereits gebe. Eine „reichlich klischeebeladene Liebesgeschichte“ im Roman mindere jedoch die Erzählkunst, so dass nur der „ökovisionäre Charakter“ der Geschichte überzeuge, schreibt die „FAZ“.
„Frankfurter Rundschau“
Die „Frankfurter Rundschau“ („FR“) stellt das Sachbuch „Ach Europa“ von Jürgen Habermas vor und schreibt, dass dem Schriftsteller die europäische Einigung am Herzen liege. In der Sammlung von „Gelegenheitstexten“ erscheinen Gedanken über Europa neben Aufsätzen über Presse und politische Öffentlichkeit im Zeitalter der Massenkommunikation, teilt die „FR“ mit. Es handle sich um eine Zusammenstellung, die „schlagend deutlich“ mache, dass es Habermas nach wie vor verstehe, zentrale Themen zu setzen und auf „hohem Niveau“ zu traktieren.
Die „Frankfurter Rundschau“ („FR“) rezensiert den Roman „Der Hai von Shinjuku. Rache auf Chinesisch“ von Arimasa Osawa, den zweiten Band der „Samejima-Reihe“, die in Japan bereits neun Bände zähle. Osawa verankere „seine kühne, grausame Geschichte so penibel im Polizei- und gesellschaftlichen Alltag“, dass sie nicht zu unglaubwürdig erscheine, meint die Rezensentin Sylvia Staude. Man lerne zudem eine Menge „über den japanischen Beamtenapparat, die dort gepflegten Rücksichtnahmen und manchmal kurios erscheinenden Höflichkeiten“, findet Staude weiter.
„Neue Zürcher Zeitung“
Hansjörg Schneider behandle in seinem neuen Kriminalroman „Hunkeler und die goldene Hand“ ein hochaktuelles Thema, befindet Beatrice Eichmann-Leutenegger in der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“). Der siebte Fall des Kommissar Hunkeler handle von einer Reihe von Kunstdiebstählen in Schweizer Museen. Der Leser muss laut Eichmann-Leutenegger Acht geben, nicht im „Fieberrausch des Lesens“ die entscheidenden Details zu übersehen. Obwohl die Geschichte „recht verworren“ scheine, glücken Schneider „aquarellartig hingetupfte Landschaftsimpressionen“ und „liebenswerte Portraits“ der Protagonisten abseits der High Society, bemerkt die Rezensentin.
Die „NZZ“ bespricht den neuen Roman „Die Spur des Teufels“ von John Burnside. Ein Künstlerehepaar sei mit ihrem dreizehnjährigen Sohn Michael in das schottische Dorf Coldhaven gezogen, in dem die Familie von den Einheimischen tyrannisiert werde, schreibt die Rezensentin Angela Schader. Lange nach dem Tod seiner Eltern erfährt Michael, dass ein „Dritter auf schreckliche Weise in ihrer Ehe gegenwärtig war“, während die Eltern durch ihren Tod nicht erfahren mussten, dass ihr Sohn seinen Peiniger Malcolm ermordet habe.
„Süddeutsche Zeitung“
Die „SZ“ bespricht Daniel Heller-Roazens „Echolalien“, das die Zeitung für ein „faszinierendes Buch“ halte. Echolalien seien „zwanghafte und ungewollte Wiederholungen“, auch das frühkindliche Lallen werde mit diesem Terminus bezeichnet, schreibt der Rezensent Jürgen Trabant. Die These des Autors sei, dass Sprache wesentlich Echolalie sei, ein „Widerhall der Sprache des Paradieses“, die mit der Entstehung unterschiedlicher Sprachen vergessen wurde, teilt Trabant weiter mit. Heller-Roazens Buch verbinde „subtilste Gelehrsamkeit mit literarischer Finesse“, findet die „SZ“.
Das Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung habe es sich zur Aufgabe gemacht, dabei zu helfen, die „eigene Vergangenheit besser zu verstehen“, teilt die „SZ“ mit und bespricht den Almanach „ZeitRäume“ mit gesammelten Vorträgen des Jahres 2006. Das Buch sei eine „erhellende Aufsatzsammlung“ und enthalte „viel Lesenswertes“, meint die „SZ“.
Die „SZ“ rezensiert Martin Cruz Smith’ neuen Roman „Stalins Geist“. Der russische Inspektor Arkadi Renko sei der Protagonist des Polit-Thrillers, behauptet der Rezensent Hans-Peter Kunisch und weist daraufhin, dass „Stalins Geist“ der sechste Renko-Roman von Smith sei. Bereits siebenundzwanzig Jahre zuvor landete der Autor mit dem Renko-Erstling „Gorki Park“ einen Kulterfolg, schreibt Kunisch weiter. Der neuste Roman sei rasant und so geschrieben, wie Polit-Thriller sein müssten, findet der Rezensent. (mar/tan/wip)
Literaturangaben:
BÖNT, RALF / OSTERMEIER, ALBERT / RINKE, MORITZ (Hrsg.): Titelkampf. Fußballgeschichten der deutschen Autorennationalmannschaft. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008. 284 S., 8,90 €.
BURNSIDE, JOHN: Die Spur des Teufels. Roman. Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Albrecht-Knaus-Verlag, München 2008. 255 S., 18 €.
FICOWSKI, JERZY: Bruno Schulz 1892-1942. Ein Künstlerleben in Galizien. Aus dem Polnischen übersetzt und für die deutsche Ausgabe bearbeitet von Friedrich Griese. Carl Hanser Verlag, München 2008. 185 S., 19,90 €.
FLECK, DIRK C.: Das Tahiti-Projekt. Roman. Pendo Verlag, München 2008. 344 S., 19,90 €.
HABERMAS, JÜRGEN: Ach Europa. Kleine Politische Schriften XI. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008. 192 S., 9 €.
HELLER-ROAZEN, DANIEL: Echolalien. Über das Vergessen von Sprache. Aus dem Amerikanischen von Michael Bischoff. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008. 280 S., 26,80 €.
OSAWA, ARIMASA: Der Hai von Shinjuku. Rache auf Chinesisch. Kriminalroman. Aus dem Japanischen von Katja Busson. Cass-Verlag, Löhne 2008. 322 S., 19,80 €.
SABROW, MARTIN (Hrsg.): ZeitRäume. Potsdamer Almanach des Zentrums für Zeithistorische Forschung 2006. Transit Verlag, Berlin 2007. 239 S., 19,80 €.
SCHNEIDER, HANSJÖRG: Hunkeler und die goldene Hand. Roman. Ammann Verlag, Zürich 2008. 256 S., 18,90 €.
SCHULZ, BRUNO: Die Zimtläden. Aus dem Polnischen übersetzt von Doreen Daume. Carl Hanser Verlag, München 2008. 232 S., 21,50 €.
SMITH, MARTIN CRUZ: Stalins Geist. Ein Arkadi-Renko-Roman. Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt. C. Bertelsmann, München 2007. 365 S., 19,90 €.
Presseschau vom 26. März 2008
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