CHEMNITZ (BLK) – Die israelische Schriftsteller Amos Oz hat die deutsche Regierung und die Deutschen zu Kritik an der Politik Israels ermuntert. Zugleich sollten sie aber auch mit voller Hingabe für das Existenzrecht seines Heimatlandes streiten, sagte der 68-Jährige am Montag (14. April 2008) in Chemnitz. Oz sollte am Abend den erstmals verliehenen Stefan-Heym-Preis der sächsischen Stadt entgegennehmen. Damit will die Kommune künftig alle drei Jahre Autoren ehren, die sich wie der gebürtige Chemnitzer Autor Stefan Heym (1913-2001) couragiert und zeitkritisch in gesellschaftliche Debatten einmischen, um für moralische Werte zu streiten. Der Preis ist mit 40.000 Euro dotiert.
Es sei eine besondere Ehre, erster Preisträger zu sein, sagte Oz. „Ich identifiziere mich mit Stefan Heym. Er war ein Rebell, ein Mann des starken Wortes und im besten Sinn unangepasst.“ Für ihn sei Heym einer der größten deutschen Autoren aller Zeiten. Oz bezeichnete sich selbst ebenfalls als Rebell. „Ich stimme schon seit vielen Jahren nicht mit meiner Regierung in Israel überein. Mein Land muss sich 60 Jahre nach seiner Gründung endlich wie ein erwachsener Staat verhalten“, sagte der Autor.
Oz hat mehr als 30 Bücher veröffentlicht, darunter Romane, Erzählungen und politische Essays. Viele Werke sind auch auf Deutsch erschienen, darunter „Der dritte Zustand“, „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ sowie „Wie man Fanatiker kuriert“. Nach seiner Teilnahme am Sechs-Tage-Krieg (1967) gehörte er 1977 zu den Gründern der israelischen Friedensbewegung. Oz befürwortet eine Zwei-Staaten-Lösung im Konflikt zwischen Israel und Palästina. Bereits 1992 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Inge Heym, die Witwe des Chemnitzer Ehrenbürgers, lobte die Jury für Wahl von Oz zum Preisträger: „Mein Mann wäre sehr glücklich darüber gewesen.“ Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) erklärte, dass es der Stadt viel bedeute, den Preis zu verleihen.
Heym wurde am 10. April 1913 unter dem Namen Helmut Flieg als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Chemnitz geboren. 1933 floh er vor den Nationalsozialisten zunächst in die Tschechoslowakei und später in die USA. Von 1943 an nahm er als amerikanischer Soldat am Zweiten Weltkrieg teil und ging 1953 in die DDR. Seit seiner Parteinahme für Wolf Biermann bei dessen Ausbürgerung 1976 konnte er nur noch im Westen publizieren. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Fünf Tage im Juni“, „Der König-David-Bericht“ und „Schwarzenberg“. Von 1994 bis 1995 saß Heym für die PDS im Bundestag. Er starb 2001 in Israel. (dpa/wip)
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