ERFURT (BLK) - Ein in Erfurt geschriebenes Rechenbuch von Adam Ries (1492/93-1559) kommt zurück an seinen Ursprungsort. Der Erstdruck „Rechenung nach der lenge auff den Linihen vnd Feder“ von 1550 soll die Bibliothek der privaten Adam-Ries-Fachhochschule bereichern, sagte Kanzlerin Katinka Will am Mittwoch (10.3.). Das wichtigste Buch des berühmten Rechenmeisters sei vor Monaten auf einem privaten Dachboden entdeckt worden. Der Förderverein der Hochschulbibliothek sammelte Spenden, um das Exemplar für Thüringen zu sichern. Auch Interessenten in Übersee wollten den Schatz aus der deutschen Wissenschaftsgeschichte erwerben. Über die Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart.
Der Arnstädter Historiker Michael Kirchschlager bestätigte die Echtheit des Buches, das auch als „Practica“ bekannt ist. Nach seinen Angaben existieren weltweit noch 42 Exemplare des Buches. Auch die Bibliothek der Universität Erfurt hat ein Original des in Leipzig gedruckten Rechenbuches, sagte der Leiter der Sondersammlungen der
Universitätsbibliothek, Thomas Bouillon.
Das Besondere an der wieder entdeckten Ausgabe seien handschriftliche Einträge kurz nach Erscheinen des Buches, sagte Will. Sie geben einen Eindruck von der damaligen Nutzung. Ries habe den einfachen Bürgern das Rechnen beibringen wollen und deshalb in Deutsch geschrieben. Davor sei Latein üblich gewesen. Der Mathematiker wohnte von 1518 bis 1522 in Erfurt und leitete dort eine Rechenschule. (dpa/sch)