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Risiko Metaphern und Vergleiche

Eike Christian Hirschs „Deutsch kommt gut. Sprachvergnügen für Besserwisser“

© Die Berliner Literaturkritik, 22.12.08

 

Von Rudolf Grimm

HAMBURG (BLK) – Gute, eindringliche Sprache ist bilderreich. Besonders Menschen in wichtigen Positionen, die sich häufig öffentlich äußern, achten daher bewusst auf prägnante, anschauliche Ausdrücke. Doch Metaphern sind auch riskant und so wird aus manch gut gemeintem Sprachbild ein schiefes.

Sehr riskant wird es bei mehr als einem Bild. Der Journalist und Autor Eike Christian Hirsch zitiert in seinem Buch „Deutsch kommt gut. Sprachvergnügen für Besserwisser“, was der Präsident des Deutschen Groß und Außenhandels in einem Jahresrückblick sagte: „Der Export erweist sich einmal mehr als Rettungsanker für eine ansonsten dahindümpelnde Volkswirtschaft.“ Doch einen Rettungsanker braucht man beim Dümpeln nicht, eher bei Sturm, merkt Hirsch an. Und den kannte die deutsche Volkswirtschaft damals nicht. Uli Hoeneß, Manager des deutschen Fußballmeisters, warnte einmal etwas unglücklich: „... Sonst hätten wir einen Klotz am Bein, an dem sich auch der FC Bayern verschlucken kann“.

Jahrelang beklagte die Sprachkritik einen „Verfall“ des Deutschen, doch diese Litanei scheint inzwischen erschöpft. Stattdessen scheinen Glossierungen des individuellen Sprachgebrauchs, speziell Prominenter, und auch der Sprache von Medien und Werbung ein beliebtes Thema zu sein. Hirsch schließt hierin mit seinem Werk an sein Buch „Gnadenlos gut“ von 2004 an (ebenfalls Beck).

Ganz allgemein sind die aus dem Lauf- beziehungsweise Boxsport stammenden Wörter Marathon und Stehvermögen gängig geworden. Natürlich verwenden sie auch Politiker gern zur Illustrierung ihrer anstrengenden Arbeit. „Wer kein Stehvermögen hat, bringt es in der Politik zu nichts“, sagte ein Bundesminister einmal in Bezug auf die vorherigen „Marathonsitzungen“ von vier Wochen Koalitionsverhandlungen. Hier haben wir gleich drei Bilder, die miteinander konkurrieren, merkt Hirsch an: Marathon im Sitzen, außerdem irgendwie noch stehend.

Journalisten stehen dem manchmal nicht nach. Über eine Managerin konnte man lesen: „Sie hat sich benommen wie die Elefantin im Porzellanladen und viel verbrannte Erde hinterlassen.“ Von einem Trainer, der eine unglückliche Mannschaft zu übernehmen hatte, hieß es: „Er muss die Scheiße ausbaden, die andere hinterlassen haben.“ Zum Glück muss er sie nicht auslöffeln.

Die Werbung will nach eigenem Bekunden der Branche „kreativ“ sein. So wird denn jungen Leuten ein SparkassenAutoKredit mit den Worten angeboten „Jetzt einsteigen und durchstarten“. „Starten“ war gestern, heute startet man von Anfang an durch. Durchstarten taten bislang Flugzeuge, die die Landung verpasst hatten und vom Landeanflug aus gleich „durchstarten“ mussten – keine sehr positive Assoziation.

Erwartungsgemäß hat der Neugebrauch von durchstarten seinen Niederschlag auch im Bezug auf Politiker gefunden. Von einem hieß es: „Er ist seit Jahren kommunalpolitisch tätig und will noch einmal richtig durchstarten“. Hirsch wittert bei all dieser Bewegung auch die Gefahr, durchzudrehen.

Im Werbegeschäft geht es viel um Preise. Da lautet ein Angebot: „Das Hotel bietet Komfort zu Spitzenpreisen“. Das müsste Schnäppchenjäger eigentlich eher abschrecken. Ebenso wie die Hotelkette, die „Annehmlichkeiten zu einem unübertroffenen Zimmerpreis“ bietet. Die Menschen, die bei Werbung noch nachdenken, mögen vermuten: nach unten nicht zu überbieten. Klar?

Ein besonders trügerisches, wenig vergnügliches Wort ist neuerdings wieder „Betreuung“. In der NS-Zeit hatte es einen Beigeschmack von „Entmündigung“ bekommen, wie 1945 Dolf Sternberger in seinem „Wörterbuch des Unmenschen“ konstatierte. Er nannte Betreuung diejenige Art von Terror, für die jemand, der Betreute, Dank schuldet. 40 Jahre später sah Sternberger die Betreuungsgefahr nicht gebannt: „Wie mit tausend Pfoten greift von allen Seiten Betreuung nach uns...“. Inzwischen preisen „Seniorenresidenzen“ „betreutes Wohnen“ an, und die Funktionäre um einen Spitzensportler nennen sich „Betreuer“. Genauso heißen jetzt auch die, die früher „Vormünder“ waren. Hiermit fand das Wort Betreuer Eingang auch in die Rechtssprache. Dennoch sollte man wachsam bleiben, wenn sich Betreuer empfehlen, rät der Autor.

Literaturangaben:
HIRSCH, EIKE CHRSITIAN: Deutsch kommt gut. Sprachvergnügen für Besserwisser. C.H. Beck, München 2008. 189 S., 9,95 €.

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