Werbung

Werbung

Werbung

Rühmkorf erhält Kasseler Literaturpreis postum

Die Jury des Literaturpreises wollte den „roten Romantiker“ für „seine wegweisende Gestaltungskraft auf dem Feld des Komischen“ ehren

© Die Berliner Literaturkritik, 10.06.08

 

KASSEL (BLK) – Der am Sonntag (8. Juni 2008) gestorbene Dichter Peter Rühmkorf wird den Literaturpreis für grotesken Humor der Stadt Kassel postum erhalten. „Wir wussten von der schweren Erkrankung. Herr Rühmkorf wird den Preis aber auf jeden Fall postum erhalten“, sagte Friedrich Block von der Stiftung Brückner-Kühner, die den Preis kuratiert, am Montag (9. Juni 2008) in Kassel.

Die Stadt Kassel hatte nur wenige Stunden vor der Todesnachricht des Büchner-Preisträgers mitgeteilt, dass der mit 10.000 Euro dotierte Preis in diesem Jahr Rühmkorf zugesprochen wurde. „Peter Rühmkorf war schwer krank, die Nachricht von seinem Tod kommt nicht überraschend. Sie trifft deshalb nicht weniger hart“, sagte Block.

Peter Rühmkorf gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Der für seine virtuosen Wortspielereien bekannte Dichter, Essayist und Dramatiker wurde auch als politischer Mahner mit Blick für gesellschaftliche Missstände geschätzt.

Die Jury des Literaturpreises für grotesken Humor wollte den „roten Romantiker“ für „seine wegweisende Gestaltungskraft auf dem Feld des Komischen“ ehren. Rühmkorf habe „mit seinem unübertroffen vielstimmigen Werk auch dem literarisch Komischen neue Wege“ bereitet. „Virtuos erschließt er die literarische Überlieferung, bürstet sie parodierend gegen den Strich und lässt sie durch heutige Erfahrungen und Sprechweisen hindurch klingen.“ Sein „poetischer Tanz auf dem Hochseil“ kombiniere unterschiedlichste Stilebenen und Idiome in seiner Dichtung. „Unserer haltlosen Welt begegnet sie mit Ironie, Witz und Wut, mit Provokation und Lust; sie ist Anleitung zum politischen Widerspruch wie zu irdischem Vergnügen und ästhetischem Genuss.“

Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wird seit 1985 vergeben. Erster Preisträger war Loriot. Zuletzt ging die Ehrung an den Zeichner und Schriftsteller F. W. Bernstein. Zu den Preisträgern gehörten auch Robert Gernhardt, George Tabori, Max Goldt, Hanns Dieter Hüsch und Gerhard Polt.

Der am 25. Oktober 1929 in Dortmund als Sohn einer Lehrerin und eines Puppenspielers geborene Rühmkorf lebte zuletzt mit seiner Frau Eva-Maria im Lauenburgischen in Schleswig-Holstein in der Nähe von Hamburg. Er hatte in Hamburg Literaturwissenschaften und Psychologie studiert. Während seiner Tätigkeit als Lektor beim Rowohlt Verlag von 1958 bis 1964 und 1966/67 entwickelte er sich zu einem Lyriker und Essayisten. 1959 erschien der Gedichtband „Irdisches Vergnügen in g“ und zwei Jahre später eine Biografie über Wolfgang Borchert. Als Redakteur des später in „konkret“ umbenannten „Studentenkurier“ zog Rühmkorf in den 50er Jahren in zahlreichen Artikeln gegen die „Restauration“ der Adenauer-Ära zu Felde und engagierte sich Ende der 60er Jahre in der Studentenbewegung. (dpa/wip)


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: