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Vier Neuerscheinungen

Neues von Klüpfel und Kobr, Kessler, Rath, Hislop und Lennox

© Die Berliner Literaturkritik, 29.09.09

Kluftinger trotzt Schnee und „Rauhnacht“-Gespenstern

Der kauzige Allgäu-Kommissar Kluftinger ist zum Liebling der (Lese-)Nation avanciert. Sein viertes Abenteuer jedenfalls hat es in kürzester Zeit an die Spitze der Bestsellerlisten geschafft. Dieses Mal reist „Kult-Klufti“ mit seiner Erika und dem nervigen Doktor Langhammer samt Gattin in ein Berghotel, um ein entspanntes Wochenende zu verbringen. Doch daraus wird nichts, denn ein Hotelgast kommt unfreiwillig zu Tode. Als ein Schneesturm das Hotel auch noch von der Außenwelt abschneidet, muss der Kommissar den Fall allein lösen. Die Verfasser der erfolgreichen Allgäu-Krimikomödien Volker Klüpfel und Michael Kobr lassen in ihrem neuen Buch „Rauhnacht“ auch Langhammer bei den Ermittlungen kräftig mitmischen. Waren die Einfälle des Autorenduos in den ersten Bänden der Serie noch brüllend komisch, so tappen sie im neuesten Werk doch so manches Mal in die Klamaukfalle. Dennoch lohnt es sich unbedingt, Klufti auch dieses Mal über die Schulter zu schauen.

Ein Gute-Laune-Buch aus dem Familienalltag

Katja Kessler weiß, was Frauen wünschen und wie Männer denken. Wer's nicht glaubt, kann sich davon in ihrem neuen Buch überzeugen: „Frag mich, Schatz, ich weiß es besser - Bekenntnisse einer Ehefrau“. Episoden aus dem eigenen täglichen Leben erzählt sie locker-flockig mit viel (Selbst-)Ironie und Hintersinn. Aber auch manch anderer darf sich wiedererkennen, wenn sie das qualvolle Telefonat mit einem Call-Center beschreibt oder wenn sie ihren Mann davon überzeugen möchte, dass die Wohnung mehr ihren als seinen Vorstellungen entsprechen sollte: „Warum versteht er nicht, dass ich weiß, was ihm gefallen wird, selbst wenn er noch keinen blassen Schimmer davon hat“. Nach ihrem erfolgreichen Roman „Herztöne“ und dem „Mami-Buch“ hat die langjährige Gesellschaftskolumnistin ein amüsantes Taschenbuch geschrieben, das sich mit seinen kurzen Begebenheiten bestens auch nebenbei lesen lässt - zum Frühstück, in der S-Bahn oder in der Arbeitspause, ganz einfach für die gute Laune.

Ironischer Männerroman „Man tut was man kann“

Autor Hans Rath hat schon in seinem Sachbuch „Sie Affe! Du Schwein!“ seine humoristische Ader unter Beweis gestellt. Nicht weniger launig liest sich sein Roman „Man tut was man kann“. Mit viel Selbstironie erzählt er von den Nöten des geschiedenen Paul, der sich gerade wieder etwas berappelt hatte, sich wieder verlieben wollte, um dann wegen eines Ex mit Segelohren (so seine Wahrnehmung) von der neuen Flamme sitzen gelassen zu werden. Anderen Männern geht es nicht besser, und so wird Pauls Wohnung zum Domizil gestrandeter Leidensgenossen, die alle nicht wissen, warum es bei ihnen mit den Frauen immer schief läuft. Sie treiben Fragen um wie „Habe ich noch eine Affäre oder schon eine Beziehung?“ oder „Kann ein Vollbart zwischen einem Mann und seiner wahren Liebe stehen?“ Bei der Diskussion dieser Probleme leeren die Kerle Pauls Weinkeller. Das Buch gewährt auch Leserinnen tiefe Einblicke in die Geheimnisse der Spezies Mann.

Liebe in Zeiten des Krieges: „Das Herz der Tänzerin“

Victoria Hislop hat bereits mit „Insel der Vergessenen“ einen Bestseller gelandet. Große Gefühle zu beschreiben und dramatisch zu steigern, sind ihre Stärke. Ihr neuer Roman „Das Herz der Tänzerin“ spielt zu Beginn der Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts: Mercedes wächst als eines der vier Kinder der Familie Ramirez auf. Die Jüngste lebt ihren Traum vom Tanzen. Dieser Traum wird Realität, als sie den Gitarristen Javier Montero trifft und von seiner Musik mitgerissen wird. Mercedes wird die erfolgreichste Flamencotänzerin Spaniens, vor allem, weil Leidenschaft im Spiel ist - nicht nur für die Musik und deren Ausdruck im Gitarrenspiel und Flamenco, sondern auch für Javier. Mit Francos Machtübernahme aber versinkt Spanien im Bürgerkrieg, in dessen Wirren sich die Liebenden aus den Augen verlieren. Mercedes macht sich auf die gefährliche Suche nach ihrem Geliebten.

Judith Lennox bietet große Gefühle und Freundschaft

„Herz der Nacht“ ist bereits der 15. Roman von Judith Lennox auf dem deutschen Buchmarkt. Wieder bedient sie sich einer historischen Bühne, um vom Schicksal ihrer Heldinnen zu erzählen. Ihre Protagonistinnen Miranda und Kay sind grundverschieden und doch enge Freundinnen. Miranda, Tochter aus reichem russischem Haus, reist kreuz und quer durch Europa, begleitet von Kay, einer jungen, gebildeten Gesellschafterin. Als Mirandas despotischer Vater merkt, dass sich seine Tochter zunehmend löst, entlässt er Kay, die zurück in ihre englische Heimat zieht. Miranda dagegen heiratet einen ostpreußischen Grafen und verbringt die Zeit des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. Trotz der schwierigen Umstände versuchen beide Frauen, ihre Freundschaft aufrecht zu erhalten. Lennox bietet vor dem Hintergrund der Zeit zwischen 1936 und 1948 wieder große Gefühle, überraschende Wendungen und sympathische Hauptfiguren. (dpa/beh)

Literaturangaben:

KLÜPFEL, VOLKER; KOBR, MICHAEL: Rauhnacht. Piper Verlag, München 2009. 363 S., 17,95 €.

KESSLER, KATJA: Frag mich Schatz, ich weiß es besser. Bekenntnisse einer Ehefrau.Diana Verlag, München 2009. 205 S., 7,95 €.

RATH, HANS: Man tut was man kann. Wunderlich Verlag, Reinbek bei Hamburg 2009. 256 S., 14,90 €.

HISLOP, VICTORIA: Das Herz der Tänzerin. Diana Verlag, München 2009. 512 S., 19,95 €.

LENNOX, JUDITH: Herz der Nacht. Pendo Verlag, München 2009. 560 S., 19,95 €.

Weblinks:

Piper Verlag

Diana Verlag

Wunderlich Verlag

Pendo Verlag


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