„Schoude“ feiern „Burem“ – In Schopfloch lebt das Lachoudische fort

Die eigene Sprache hat den Schopflochern einen „eigenwilligen Charakter“ gegeben

© Die Berliner Literaturkritik, 30.01.08

 

Von Inga Pflug

SCHOPFLOCH (BLK) – Die kleine Marktgemeinde Schopfloch im westlichsten Zipfel Mittelfrankens zählt zu Frankens geheimen Faschingshochburgen: 15 Fastnachtssitzungen feiern die Schopflocher jedes Jahr. Doch sie haben noch eine besondere Eigenheit: In Schopfloch feiert man nicht Fasching, sondern „Burem“. Auch sind hier keine Narren unterwegs, sondern „Schoude“, und während andere fränkische Karnevalsvereine „Narrhalla“ oder „Narrenclub“ heißen, ist der Name der Fastnachtsgesellschaft in Schopfloch sehr ungewöhnlich: „Medine“.

Weil die kleine Gemeinde zwischen Feuchtwangen und Dinkelsbühl eine echte Sprachinsel ist, meinen Besucher in Schopfloch zuweilen, nur „Hiffelefuhlem“, also Unsinn, zu hören. Denn neben dem Fränkischen sprechen die „Anschmer“ (Leute) eine Art Geheimsprache, das Lachoudische. „Der Name unserer außergewöhnlichen Sprache kommt vom jiddischen ‚Loschn’ (Sprache) und dem hebräischen ‚Hakodesch’ (heilig)“, sagt Hans-Rainer Hofmann, Lachoudisch-Experte und ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde.

80 Prozent der Wörter stammen aus dem Hebräischen, der Rest hat jiddische und fränkische Wurzeln. Zwar seien heute im Alltag nur noch 200 lachoudische Wörter in Gebrauch, doch Gäste aus Israel verstünden die Schopflocher meist besser als die fränkischen Nachbarn, schmunzelt Hofmann.

Die eigene Sprache hat den Schopflochern einen „eigenwilligen Charakter“ gegeben, glaubt er. Das zeige schon die Entstehungsgeschichte der Mundart: Juden und Christen hatten die Geheimsprache genutzt, um sich auf den Märkten abzusprechen, ohne von Fremden verstanden zu werden. So habe man sich nicht nur von anderen Kaufleuten abgegrenzt, sondern sich auch Handelsvorteile verschafft.

Doch als ehemaliger „Schoufet“, wie das Bürgermeisteramt auf Lachoudisch heißt, weiß er auch, dass die Sprache irgendwann aussterben wird: Auf der Fastnachtsbühne fallen heutzutage nur noch einzelne lachoudische Wörter. Zu wenige Einwohner lernen die Mundart heute noch fließend, wie Hofmann bedauert.

Doch die Wörter, die verwendet werden, haben auch Einzug in die Alltagssprache gefunden: Die fouf (fünf) Oberschoude (Obernarren) „mauscheln“ über „Stuss“ aus den Nachbarstädten Feuchtwangen und Dinkelsbühl oder über die große Politik, über „Schlamassel“ aus der Gemeinde und „Kabbeleien“ zwischen Gabriele Pauli und Edmund Stoiber.

Mit den „Sprachkursen“ des Elferrats will die „Medine“ das Lachoudische erhalten, den Zuschauern die Wörter näher bringen und das Interesse für die Sprache wecken. Die wichtigste Botschaft des Lachoudischen trägt die Fastnachtsgesellschaft im Namen, sagt Hofmann: „Medine“ bedeutet Heimat.


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