FRANKFURT AM MAIN (BLK) – Martin Halter rezensiert in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ die Novelle „Bruno“ von Gerhard Falkner. Der im Jahre 2006 mit dem Spycher-Literaturpreis ausgezeichnete Lyriker hat in seinem neuesten Werk die mit dem Preis verbundenen marketingstrategischen Verpflichtungen verarbeitet und begibt sich dabei auf Selbstfindungsreise.
Da sitzt er nun fest, der Berliner Schriftsteller, im beschaulichen Bergidyll der Schweiz. Ein Großstadtdichter inmitten von Berg und Tal und der Entdeckung der Langsamkeit. Inspiriert vom „Problembären“ Bruno, versetzt Falkner diesen ins schweizerische Wallis. In seiner Novelle steht Bruno für den „letzten Dichter“, einzelgängerisch, unbändig, sich stets der übermächtigen konsumgierigen Welt gegenüberstehend. Selbstfindung will der depressive Dichter, in dem man Falkner erkennen kann, betreiben. Den Bären hat er dabei als Doppelgänger auserkoren und skizziert im Verlauf der Geschichte eine unübersehbare Schicksalsgemeinschaft.
Falkner schreibe poetisch delikat und könne bärbeißig brummen, lobt der Rezensent. Er habe einen grimmigen, grotesken Humor und seine Naturbeschreibungen seien oft wunderbar zart. Der Lyriker erzähle eine Künstlernovelle, beiße aber bei der Suche nach dem Bären in sich immer wieder auf Granit. Die Reflexionen des Künstlers über moderne Kunst, Gletscher, Fußball oder Neurologie wirkten fahrig und beliebig, kritisiert Halter. (rie/dan)
Literaturangaben:
FALKNER, GERHARD: Bruno. Berlin Verlag, Berlin 2008. 112 S., 18 €.
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