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Skurriler Humor aus Finnland

Arto Paasilinnas neuer Roman „Der liebe Gott macht blau“

© Die Berliner Literaturkritik, 18.12.08

 

Von Susanna Gilbert-Sättele

Der finnische Autor Arto Paasilinna will Botschaften übermitteln. „Und das tue ich durch den Humor und nicht mit düsteren Zustandsbeschreibungen, die dann vielleicht niemand lesen mag“, sagt der 66-Jährige. Die Liste der Werke aus der Feder des Finnen ist lang. Längst hat die Gesamtauflage die Zwei-Millionen-Grenze überschritten, in 21 Sprachen sind seine Bücher übersetzt. Mehrere Romane wurden verfilmt, einer kam als Musical auf die Bühne. Mit seinem skurrilen Humor versteht es Paasilinna immer wieder, seine Leser zu amüsieren und nachdenklich zu stimmen. Das wird ihm auch mit seinem neuesten Werk „Der liebe Gott macht blau“ gelingen.

Der liebe Gott ist ein gut aussehender Mann in grauem Tuch, wohlproportioniert, mit ebenmäßigen Gesichtszügen und ohne Adamsapfel. In jüngster Zeit aber wirkt er müde und erschöpft von dem ganzen Mist, den die Menschen verzapfen. Der liebe Gott braucht Abstand, muss mal raus aus dem Trott. Also machen sich der Heilige Petrus und der Erzengel Gabriel an die undankbare Arbeit, eine geeignete Urlaubsvertretung unter den Menschen zu suchen. Ihre Wahl fällt auf den finnischen Kranführer Pirjeri Ryynänen, denn die Auswertung von etlichen Millionen Gebeten durch die himmlische Heerschar hat ergeben, dass der seine uneigennützigen Bitten besonders inbrünstig gen Himmel gesandt hat. Als Gabriel als Bote Gottes bei ihm anklopft und ihm den neuen Job unterbreitet, fackelt Ryynänen nicht lange. Denn seine einsame Arbeit hoch oben in den Lüften befriedigt ihn zwar, das Leben im Allgemeinen aber kommt ihm ziemlich langweilig vor.

Pirjeri merkt allerdings schnell, dass Gottsein alles andere als nur Hochgefühle bereitet. Nicht nur eine Begegnung mit dem Satan gibt ihm zu denken, auch die göttlichen Ermahnungen vor Abreise des Allmächtigen in die Ferien bereiten ihn auf schwere Zeiten vor: „Auf der Erde gibt es, vorsichtig geschätzt, viele Millionen der verschiedensten Götter und Geister“, warnt der liebe Gott seinen Stellvertreter. „Lass sie ihren Kleinkram erledigen, damit sind sie ausgelastet.“

Doch Pirjeri interpretiert die göttlichen Ratschläge anders, als sie gemeint sind, und am Ende sieht sich der Herr gezwungen, seinen Urlaub zu unterbrechen, um das von seinem Stellvertreter hinterlassene Chaos zu beseitigen. Dabei wird er auch noch von einer animalischen Neuschöpfung seines Platzhalters – einem sechsbeinigen Ungeheuer, dem nicht einmal Piranhas gewachsen sind – in die Wade gebissen. Leicht beleidigt nimmt Pirjeri die Gardinenpredigt von allerhöchster Stelle an. Doch seine Vertreibung vom Himmelsthron trifft ihn nicht wirklich. Hat er doch erkannt, wie ermüdend der Kampf gegen das Böse und wie langwierig der um das Gute ist.

Mit blühender Fantasie zeichnet der Erfolgsautor ein Szenario, dem zu folgen vielen Lesern großes Vergnügen bereitet. „Im wirklichen Leben gibt es noch weitaus verrücktere Situationen als in meinen Romanen“, hat Paasilinna einmal in einem Interview gesagt. Kaum zu glauben.

Literaturangaben:
PAASILINNA, ARTO: Der liebe Gott macht blau. Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2008. 283 S., 18 €.

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