BERLIN (BLK) - Die millionenschweren Sparpläne für das Goethe-Institut sind noch nicht vom Tisch. Institutspräsident Klaus-Dieter Lehmann appellierte am Donnerstag (17.6.) erneut an die schwarz-gelbe Bundesregierung, die auswärtige Kultur- und Bildungspolitik nicht überproportional zu belasten.
„Wir wollen keine Extrawurst“, sagte Lehmann. „Aber was unter der Sparkuratel des Finanzministers umgesetzt werden muss, darf nicht mit dem Rasenmäher passieren. Wir müssen unsere Flexibilität behalten.“ Nach den Plänen des Auswärtigen Amtes sollen die Verwaltungskosten des Instituts bis zum Jahr 2014 auf dem Stand von 2009 eingefroren werden. Damit werde die Programmarbeit des Instituts akut gefährdet, warnte Lehmann.
Wichtig ist seiner Ansicht nach der Einsatz des „Goethe“ vor allem in Ländern mit eingeschränkter Meinungsfreiheit wie China, Russland, Vietnam oder Kuba. Hier könne es als Frei- und Dialograum wirken und zivilgesellschaftliche Entwicklungen anstoßen.
„Wir wollen keine Missionare sein“, sagte der Präsident. „Aber wir können Alternativen aufzeigen, das eigene Land in seiner Vielfalt und seinen Widersprüchen präsentieren und das Bild einer ‚offenen Gesellschaft’ zeichnen.“ In sehr vielen Ländern mit eingeschränkter Pressefreiheit könne das Goethe-Institut aufgrund seiner Glaubwürdigkeit weitgehend unbehindert arbeiten und damit auch seinen Gästen ungehinderten Zugang zu Informationen ermöglichen.
Im Inland will sich das Haus verstärkt um die Integration von Zuwanderern kümmern. Neben der Sprachförderung gehe es vor allem darum, bewusst kulturelle und religiöse Brücken zu schlagen. „Wirkliche Integrationsförderung ist keine Einbahnstraße“, sagte Lehmann. „Die Qualifikationen und kulturellen Identitäten der Migranten sind ein Zugewinn für unsere Gesellschaft.“
Hauptaufgabe des Goethe-Instituts ist es, deutsche Literatur, Musik und Kunst im Ausland bekanntzumachen. Nach Neugründungen in Russland, Asien und Afrika gibt es inzwischen 150 Institute in 84 Ländern. (dpa/jos)
Weblink: