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Spitzel-Skandal: Autor verteidigt rumänisches Kulturinstitut

Die rumänien-deutsche Schriftstellerin Herta Müller hatte das ICR heftig kritisiert

© Die Berliner Literaturkritik, 25.07.08

 

BUKAREST (BLK) – Im Streit zwischen Herta Müller und dem rumänischen Kulturinstitut (ICR) über den Umgang mit den früheren Spitzeln der kommunistischen Geheimpolizei Securitate, Sorin Antohi und Andrei Corbea-Hoisie, hat der rumänische Schriftsteller Mircea Cartarescu das ICR in Schutz genommen. In Rumänien gebe es kein Gesetz, das Ex-Spitzeln öffentliche Auftritte verbiete, schrieb Cartarescu in der rumänischen Tageszeitung „Evenimentul Zilei“ (Freitagausgabe, 25. Juli 2008). Im Übrigen solle Rumänien sich weniger mit den Spitzeln befassen, sondern mehr mit der Verfolgung der Securitate-Offiziere, die die „wahren großen Schurken“ seien, meinte Cartarescu.

Cartarescu hat in Deutschland 2007 den Roman „Die Wissenden“ und in diesem Jahr den Erzählungenband „Warum wir die Frauen lieben“ veröffentlicht. Beide Werke hatten großen Erfolg bei der Kritik und beim Publikum.

Die rumänien-deutsche Schriftstellerin Herta Müller hatte das ICR heftig kritisiert, weil es die Teilnahme des Historikers Antohi und des Germanisten Corbea-Hoisie an einer an diesem Freitag (25. Juli 2008) zu Ende gehenden Tagung im Berliner rumänischen Kulturinstitut genehmigt hatte, obwohl beide Informanten der Securitate waren. Müller war selber in Rumänien von der Securitate verfolgt worden. Der ICR-Direktor Horia Roman Patapievici hatte Müllers Kritik scharf zurückgewiesen.

Cartarescu sagte, dass das ICR den Auftritt von Antohi und Corbea-Hoisie zum einen wegen mangelnder gesetzlicher Grundlage nicht hätte verbieten können. Zum anderen hätten die deutschen Vortragenden des Kolloquiums die Teilnahme der Beiden verlangt.

„Ich spreche meine beiden Freunde (Antohi und Corbea-Hoisie) überhaupt nicht von ihrer Schuld frei, die auch mich traurig macht und verstört“, schrieb Cartarescu weiter. „Ich glaube, dass sich Beide selber von allzu ostentativen öffentlichen Auftritten hätten zurückhalten sollen. Auch das ICR hätte vorsichtiger sein sollen. Aber eine scharfe Verurteilung der Beiden, die ihren unbestreitbaren (wissenschaftlichen) Wert haben, würde das Schwert stumpf machen, das rein und unversöhnlich sein sollte im Fall der wahren großen Schurken: den Securitate-Offizieren, jenen, die offen Böses getan haben und die heute diejenigen sind, die in Rumänien Gesetze machen.“ (dpa/wip)


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