Von Hubert Kahl
MADRID (BLK) – In Spanien spricht man Spanisch. Dass dieser Satz nicht ganz richtig ist, hat schon so mancher Mallorca-Urlauber und Investor erfahren müssen. Dazu gehört nun auch die Fluggesellschaft Air Berlin, die einen großen Teil der Mallorca-Flüge abwickelt. Sie erhielt von der Regionalregierung der Balearen in Palma de Mallorca die Aufforderung, ihre Fluggäste künftig auch in katalanischer Sprache zu informieren. Das Katalanische ist auf Mallorca und den anderen Balearen – ebenso wie in Katalonien und der Region Valencia – neben dem Spanischen offizielle Amtssprache.
Air-Berlin-Chef Joachim Hunold reagierte auf die Bitte mit einem verblüfften „Wow!“. „Dabei war ich gerade stolz darauf, dass es gelungen ist, auf jedem innerspanischen Flug mindestens eine Stewardess an Bord zu haben, die des Spanischen mächtig ist“, schrieb er in einem Artikel in der Kundenzeitschrift „airberlin magazin“ und stellte die Frage, ob er seinen Mitarbeiterinnen nun auch Kurse für Katalanisch, Baskisch und Galicisch verordnen müsse. „Spricht denn dort niemand mehr Spanisch?“
Hunold bezeichnete die Sprachenpolitik spanischer Regionen als „Rückfall in mittelalterliche Kleinstaaterei“ und nahm den Klang des Katalanischen aufs Korn: „Die einst so wohlklingende ‚Playa de Palma’ heißt jetzt ‚Platja de Palma’. Was ‚Platscha de Palma’ ausgesprochen wird, ziemlich gewöhnungsbedürftig ist und nicht eben an die Sprache eines Weltreichs erinnert.“
Für so manchen Katalanen und Mallorquiner hörte hier der Spaß auf. Die Regierung von Katalonien, Spaniens wirtschaftsstärkster Region, forderte Air Berlin auf, das Katalanische zu respektieren. Andere Unternehmen wie Microsoft hätten die Bedeutung dieser Sprache längst erkannt. Die Zeitung „El Diari d’Balears“ erklärte Hunold zur „persona non grata“ (unerwünschten Person) und meinte: „Dies ist nicht das erste Mal, dass ein deutscher Unternehmer in diesem Land wie ein Elefant im Porzellanladen auftritt.“
Das „Balearische Kulturwerk“, das nach eigenen Angaben den Kultursektor auf Mallorca vertritt, hielt dem Air-Berlin-Chef vor: „Hunold zeigt eine Haltung, die man ideologisch mit jener der letzten spanischen Diktatur unter Franco vergleichen kann, welche den Gebrauch der katalanischen Sprache 40 Jahre lang rigoros verbot.“ Der katalanische Ex-Parlamentarier Joan Puig versah auf seiner Internetseite das Firmenlogo von Air Berlin mit einem Hakenkreuz.
Der Air-Berlin-Chef sprach mit seinem Artikel aber auch so manchem Spanier aus dem Herzen. Seit langem bemängeln vor allem konservative Kreise, dass an den Schulen in Katalonien und auf den Balearen das Spanische benachteiligt werde und in den Hintergrund trete. „Ich bin mit Air Berlin einer Meinung und dagegen, dass das Katalanische mit Zwang durchgesetzt wird“, meinte ein Leserbriefschreiber im „Diario de Mallorca“. Ein anderer Leser meint: „Wenn nicht einmal der spanische Staat das Katalanische respektiert, kann man dies nicht von einem deutschen Unternehmen verlangen.“
Die Fluggesellschaft betonte, Hunold habe den Katalanen nicht zu nahe treten wollen. Er habe mit „einer Prise Humor“ darauf hinweisen wollen, dass eine weltweit agierende Airline überfordert sei, wenn sie alle Regionalsprachen bedienen wolle, sagte Unternehmenssprecher Peter Hauptvogel.
Das Katalanische ist eine eigene romanische Sprache. Es wird von etwa zehn Millionen Menschen gesprochen. Im vorigen Jahr war Katalonien das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse.