BERLIN (BLK) – Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, will den von der italienischen Mafia mit Mord bedrohten italienischen Schriftsteller Roberto Saviano in die Akademie einladen. Das kündigte Staeck am Mittwoch (12. November) im rbb-Kulturradio an. Er habe schon vor einem Jahr versucht, Saviano einzuladen, als in der Berliner Akademie eine Veranstaltung zur Mafia und Camorra stattfand. Damals habe der Autor aus Sicherheitsgründen absagen müssen.
„Wann, wenn nicht jetzt, ist Solidarität gefordert“, betonte Staeck. Das gelte auch für den von islamistischen Fundamentalisten verfolgten britischen Autor Salman Rushdie. Beide haben jetzt eine Einladung der schwedischen Nobelpreis-Jury zu einer Veranstaltung zum Thema Meinungsfreiheit am 25. November in Stockholm angenommen. Damit hatte die für den Literaturnobelpreis zuständige Akademie eine drastische Kehrtwende vollzogen. Früher hatte sie alle Forderungen nach öffentlicher Solidarität mit Rushdie abgewiesen, als islamistische Geistliche weltweit zu seiner Ermordung wegen des Romans „Die Satanischen Verse“ aufriefen. Die Schwedische Akademie müsse wie jede öffentlich tätige Kulturinstitution „auch politisch Verantwortung übernehmen“, sagte Staeck.
Hoffnungen, dass sich Rushdies Situation verbessern würde, seien „immer wieder Lügen gestraft“ worden, meinte Staeck am Mittwoch (12. November). „Wenn wir das Recht auf Meinungsfreiheit nicht verteidigen und den Kampf gegen schreiendes Unrecht wie das der Camorra und Mafia nicht unterstützen, verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit auch in anderen Fragen.“
Staeck erinnerte in diesem Zusammenhang an einen Eklat um Rushdie in der Berliner Akademie vor 20 Jahren, der gezeigt habe, „wie schwierig ein Abwägen zwischen Sicherheitsbedenken und Solidarität mit verfolgten Schriftstellern“ sei. Günter Grass sei seinerzeit empört aus der Akademie, deren Präsident er von 1983 bis 1986 auch war, ausgetreten, nachdem die Veranstaltung mit Rushdie schließlich abgesagt worden war. Grass sei erst zehn Jahre später wieder in die Akademie eingetreten, als Rushdie auf Einladung des Akademie- Präsidenten György Konrad in der Akademie schließlich doch zu Gast war. „In Deutschland wissen wir sehr genau, dass es den berühmten Elfenbeinturm nicht geben kann“, betonte Staeck. „Auch Künstler handeln politisch.“ (dpa/mir)