Werbung

Werbung

Werbung

Strittmatter-Verein verliert Sponsoren

Ursache sind die Enthüllungen um die SS-Vergangenheit des Schriftstellers

© Die Berliner Literaturkritik, 02.02.09

 

Gespräch: Wolf von Dewitz

POTSDAM / SPREMBERG (BLK) - Dem Erwin-Strittmatter-Verein springen nach den Enthüllungen um die SS-Vergangenheit des märkischen Schriftstellers zunehmend die Sponsoren ab. Dadurch fehle dringend benötigtes Geld für die Sanierung des Hauses in Bohsdorf bei Spremberg (Spree-Neiße), wo der Autor („Der Laden“) seine Kindheit verbrachte, sagte der Vereinsvorsitzende Manfred Schemel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Beschluss der Landesregierung, den Strittmatter-Preis vorerst ausschließlich Brandenburgischer Literaturpreis Umwelt zu nennen, sei bei der Suche nach Spenden sicherlich nicht hilfreich.

Im Sommer 2008 hatte der Germanist Werner Liersch aufgedeckt, dass Strittmatter (1912-1994) während des Zweiten Weltkrieges in einer Polizeieinheit diente, die ab 1943 zur SS gehörte. Laut Liersch nahm der Autor nicht direkt an Kriegsverbrechen teil, wusste aber als Bataillonsschreiber möglicherweise davon. Die folgende Debatte ging auch um eine neue Sicht auf das Werk von Autoren, die Zeit ihres Lebens „moralische Instanzen“ waren, ihre eigene Nazi-Vergangenheit aber verschwiegen.

Größere Firmen sähen eine Spende an den Strittmatter-Verein inzwischen wohl als schlechte Werbemaßnahme, einige Unternehmen antworteten nicht einmal mehr auf Spendenbitten, berichtete Schemel.

Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) hatte auf eine parlamentarische Anfrage geantwortet, dass eine endgültige Entscheidung zum Preisnamen noch ausstehe. Vorerst werde die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung aber nicht mehr unter dem Namen Strittmatter firmieren, hieß es. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Volker Braun und Wolfgang Hilbig.

Das rund 100 Jahre alte Gebäude mit dem Strittmatter-Museum muss laut Schemel dringend komplett saniert werden. Die Ausstellung ist in dem ehemaligen Geschäft und in den Wohnräumen der Familie Strittmatter untergebracht. Das Haus fand in der Romantrilogie „Der Laden“ Eingang in die Literatur; einem breiten Publikum wurde es durch die gleichnamige Verfilmung von 1998 bekannt.

Weblink

Mehr zum Thema


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: