München feiert das Ende des Jahres bunt, abwechslungsreich und ausgiebig. In der Zeit vom 26. November bis zum 31. Dezember 2008 findet das Tollwood-Festival statt. Das Highlight des Kulturwinters ist nun bereits zum neunten Mal auf der Theresienwiese zu Gast. Auf 30.000 qm Ausstellungs- und Freifläche beherbergt das riesige Festivalareal 10 Veranstaltungszelte und 52 Gastronomiestände aus aller Welt. Auf die Besucher – im Jahr 2007 waren ca. 650.000 – warten über 200 verschiedene Veranstaltungen, deren Besuch ungefähr zur Hälfte kostenlos ist.
Das Besondere des Tollwood-Festivals liegt im kulturellen Ethos der Veranstaltung begründet. Ziel des Events ist es, soziale und ökologische Fragen in unterhaltsamer und informativer Form facettenreich aufzuwerfen. Getreu dieser lobenswerten Orientierung bezieht das Festival grünen Strom der Stadtwerke München und die Gastronomie des Festivals wurde zum 10. Mal biozertifiziert. Auch in der allgemeinen Organisation bis hin zu den Eintrittskarten, die seit 2001 gleichzeitig als Ticket für die öffentlichen Münchner Verkehrsmittel gelten, nehmen Umweltschutz und Gesundheit einen großen Stellenwert ein. Dafür erhielten die Veranstalter die Bayerische Staatsmedaille für Verdienste um Umwelt und Gesundheit 2008.
Das Programm präsentiert sich nach Art der Veranstaltungen vielfältig und bietet allen Altersgruppen Unterhaltsames und Erbauliches. Der Ausrichter Tollwood GmbH charakterisiert das Motto zum kulturellen Angebot mit den Worten: „Risiko wagen und Neues versuchen“. Im diesjährigen Winter erwartet die Besucher, neben dem viel gerühmten Weihnachtsmarkt, die große Theater- und Performance-Eigenproduktion „Peter Pan“, inszeniert von Regisseur Sven Grunert, Intendant der Kammerspiele Landshut. Der „Weltsalon“ bietet Kabarett, Vorträge, Live-Musik und Lesungen international renommierter Autoren unter dem Leitmotiv „Wo bitte geht’s zur Zukunft?“.
In eben diesem „Weltsalon“, der das literarische Zentrum des Festivals darstellt, liest am Nikolaustag, dem 6. Dezember um 16 Uhr Jutta Richter aus ihrem Roman „Der Anfang von allem“. Ihre Version der ältesten Liebesgeschichte der Welt spielt mit dem Zauber des Anfangs und der Perspektive auf gelingendes Leben. Diesen Faden nehmen die Teilnehmer der anschließenden Diskussion „Reiche arme Erde“ auf, u.a. Heidemarie Wieczorek-Zeul. Am 16. Dezember um 19.30 Uhr gibt es Musik von Serge N’Sonde, dazu liest von Wilfried N’Sonde aus seinem Afrikaroman „Das Herz der Leopardenkinder“. Eine rundum musische Reise in die afrikanische Kultur, die statt Folklore zu treiben, neue Blicke auf die Situation von Migranten eröffnet.
Zwei weitere Höhepunkte des literarischen Programms stellen die Lesungen von Juliane Köhler und Jens Harzer dar. Die Schauspielerin liest am 21. Dezember aus Frank McCourts charmantem und witzigen Weihnachtsmärchen „Wo ist das Christkind geblieben?“, ein Kulturtermin für die ganze Familie, Beginn ist 16Uhr. Am 22. Dezember um 19.30 Uhr liest der Theaterschauspieler des Jahres 2008 aus dem ergreifenden Abschiedsbrief des Philosophen André Gorz an seine Frau – „Brief an D.“ ist ein Zeugnis der Liebe durch ein ganzes Leben hindurch, voller Aufrichtigkeit. Diese kleine Auswahl an Programmpunkten zeigt das Spektrum des literarischen Angebots, das die Besucher des Tollwood-Winterfestivals erwartet.
Von Mirco Drewes