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Nicci French strebt nach Wahrheit

Das schreibende Ehepaar Nicci Gerrard und Sean French erzählen von ihren eigenen Ängsten und Sehnsüchten

© Die Berliner Literaturkritik, 16.06.09

Von Sabine Ränsch

Die Nachricht vom tödlichen Verkehrsunfall ihres Mannes wirft alles über den Haufen, an das Ellie Falkner bisher fest geglaubt hat. Am Steuer des verbrannten Autos saß ihr Mann Greg und neben ihm eine unbekannte Frau. Als sie das erfährt, schlägt ihre grenzenlose Trauer um den geliebten Mann in Misstrauen um. Getrieben von Zweifeln beginnt sie zu ermitteln—unter falschem Namen und gegen den Rat guter Freunde. Ihre Gefühle schwanken zwischen Unglauben—der über alles geliebte Mann kann einfach keine heimliche Liebschaft gehabt haben—und tiefer Verunsicherung, dass sie vielleicht doch die Witwe eines Lügners ist.

Nicci French ist das Pseudonym für ein schreibendes Ehepaar, der Name kombiniert aus Nicci Gerrard und Sean French. In „Seit er tot ist“ (Originaltitel „What to do when someone dies“) beschreiben sie die Gefühle ihrer Ich-Erzählerin, von der tiefen Traurigkeit nach Erhalt der Todesnachricht bis zur Besessenheit, die Wahrheit über ihren Mann und seine Treue unbedingt herauszufinden. Will die Polizei das Geschehen zunächst als Unfall zu den Akten legen, gerät Ellie während ihrer Ermittlungen irgendwann selbst unter Verdacht. Am Ende findet sie ein Geflecht aus Lügen und Täuschungen.

Die Geschichte kommt auf 350 Seiten ohne Gewaltszenen aus, Spannung entsteht, weil die Autoren das Wechselbad der Gefühle ihrer Hauptperson miterleben lassen. Mit Ellie fragt sich der Leser ständig, ob Greg denn nun untreu war und warum oder vielleicht doch nicht. Ellies Perspektive wird niemals verlassen, die professionellen Ermittler der Polizei treten als Randfiguren auf. Sehr genaue, manchmal geradezu pedantische Beschreibungen alltäglicher Vorgänge schaffen große emotionale Nähe.

An ganz wenigen Stellen der deutschen Ausgabe wird die Übersetzung aus dem Englischen (Birgit Moosmüller) sichtbar. Etwa, wenn Ellie davon erzählt, dass sie mit Greg „Fisch und Pommes“ gegessen habe—im Englischen bedeutet „Fish and chips“ so viel mehr. Auch erzählt wohl niemand, er habe sich „eine Tasse löslichen Kaffee“ gemacht. Sonst besticht das Buch durch einfache, klare Sprache ohne Schnörkel, die man der Ich-Erzählerin abnimmt und die nie langweilig wird.

Das Autorenpaar Nicci Gerrard und Sean French lebt und arbeitet in England, beide schreiben auch unter ihrem eigenen Namen. Zwei der vier Kinder sind erwachsen und aus dem Haus. Als Team haben sie elf Romane geschrieben, ihre Psycho-Thriller wurden in 22 Sprachen übersetzt und weltweit über zwölf Millionen Mal verkauft. „Unser Schreiben handelt von unseren eigenen Ängsten, Obsessionen und Sehnsüchten. Wenn das Buch dann da ist, stellen wir fest, dass wir unsere Ängste, Obsessionen und Sehnsüchte mit vielen Leuten teilen“, zitiert sie der Verlag.

Literaturangabe:

FRENCH, NICCI: Seit er tot ist. Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller. Bertelsmann Verlag, München 2009. 352 S., 19,95 €.

Weblink:

Bertelsmann Verlag


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