Von Bernd Zeller
In älteren Kalendern wird das Jahresendgeschenkefest noch Weihnachten genannt, was in unserer heutigen Kultur nur noch in der Form vorkommt, dass Schriftsteller und Kolumnisten sich darüber beklagen, wie sehr der Weihnachtsstress sie plagt und wie der Konsumrausch sie nervt.
Auch Radiostationen, die damit ausgelastet sind, alle halbe Stunde das Wetter und die Staumeldungen zwischen die Musik zu schieben, nehmen die fünf offiziellen Poptitel mit Weihnachtsbezug ins Programm und lassen ansonsten ihre Gute-Laune-Trottel darüber moderieren, dass man auf dieser Frequenz mal endlich vom stressigen Weihnachtszwang entlastet werde.
Fernsehen und Kino bringen Filme, mit denen sie zeigen, dass sie sich was trauen, und endlich mal dermaßen einer auf Kontra gemacht wird gegen den Weihnachtsterror und die Titel haben wie „Schrille Nacht“ oder „Rohe Weihnachten“, sofern diese Titel nicht bereits belegt sind von Büchern aus der Anti-Weihnachts-Sparte, die von den Verlagen für Leute konzipiert sind, die von Weihnachten nichts wissen wollen. Dieser Zielgruppe kann man Geschenkbücher verkaufen, die der weihnachtlichen Betulichkeit eine gewagte Aufmüpfigkeit entgegensetzen.
Der Kampf gegen Weihnachtsstress beginnt schon bei den Kindergartenkindern.
Die Einkaufspassagen halten sich mit weihnachtlicher Dekoration zurück, um die Leute nicht zu verschrecken, die von Weihnachtlichkeiten überlastet sind, schon gar nicht kommt ein Weihnachtsmann zum Einsatz, der den Kindern unter Verletzung des Datenschutzes die informationelle Selbstbestimmung raubt und über ihr diesjähriges Verhalten Auskunft verlangt oder sie gar frustriert, indem er sie befragt, ob sie Titel von Gedichten auswendig aufsagen könnten, stattdessen hat die Werbeabteilung sich ausgedacht, modisch aufgepeppte Nikolausinnen tanzen zu lassen, um das weihnachtliche Einerlei aufzulockern.
Der Kampf gegen Weihnachtsstress beginnt schon bei den Kindergartenkindern. In einigen Städten sind die kommunalen Kindertagesstätten angewiesen, nichts Weihnachtliches zu veranstalten. Man kann den Kindern von heute weder zumuten, Weihnachten richtig zu schreiben, noch die frustrierende Erkenntnis zu machen, dass der Weihnachtsmann nicht existiert und nur die Fiktion religiöser Fanatiker war.
Bernd Zeller ist Cartoonist und Autor. Sein jüngstes Buch trägt den Titel „Komik und Satire. Für Journalisten und Autoren“. Er lebt in Jena.