FRANKFURT/MAIN (BLK) - Trotz Wirtschaftskrise ziehen viele Verlage zum Ende der Frankfurter Buchmesse eine positive Bilanz. Zahlreiche Verlage freuen sich über gut laufende Titel und hoffnungsvolle Neuerwerbungen. Mit den Aussichten auf das für die Branche umsatzträchtigste vierte Quartal sind die von dpa befragten Verlage zufrieden. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass diverse Häuser einen harten Sparkurs fahren müssen. „Konsolidierung ist angesagt“, fasst Hoffmann & Campe-Chef Günter Berg in Frankfurt zusammen.
Berg lässt auch die Debatte über Chancen und Risiken des E-Books ziemlich unberührt: „Bei uns erscheint jedes Buch auch als E-Book.“ Christina Knecht vom Hanser Verlag sieht das ähnlich. „Wir waren von Anfang an dabei. Es wäre fatal, hier zu zögerlich zu sein.“ Der Münchner Verlag profitiert vom Nobelpreis-Glanz für Herta Müller, 200.000 Exemplare ihrer „Atemschaukel“ sind bereits im Handel. Beim Lübbe-Verlagsstand freut man sich über den „Blockbuster“ von Dan Brown („Das verlorene Symbol“), bereits in den ersten zwei Tagen seien etwa 120.000 Exemplare verkauft worden, berichtet Sprecherin Ricarda Witte-Masuhr.
„Bei uns ist die Wirtschaftskrise bislang nicht angekommen“, sagte der Sprecher des Frankfurter S. Fischer Verlags, Martin Spieles. Allerdings sind auch bei Fischer alle Etatposten nach möglichen Einsparungen durchforstet werden. Beim Marketing und der PR werde aber nicht gespart. Auch bei den Investitionen zum Beispiel beim Einkauf großer Titel gebe keine Veränderungen. „Wir habe eine sehr gute Resonanz erlebt“, sagt Georg Rieppel aus der Geschäftsführung von Klett-Cotta. Besonders Fantasy-Titel seien sehr gefragt. Der traditionsreiche Stuttgarter Verlag will sich künftig wieder stärker auch in der Literatur profilieren.
Von der Wirtschaftskrise profitieren können vor allem Fachverlage, die mit Büchern zu diesem Thema auf dem Markt sind. Die durch die Krise entfachte Aufmerksamkeit für Wirtschafts- und Finanzthemen sei weiter groß, heißt es etwa beim FinanzBuch Verlag. Neben den Büchern, die erklären, wie es zum Crash kommen konnte, seien zunehmend aber auch Sachbücher gefragt, die sich mit den Folgen der Krise beschäftigen: Arbeitslosigkeit, Armut oder Bewerbungsratgeber. (dpa/gai)