Von Heike Sonnberger
STUTTGART (BLK) – Er wollte Schauspieler werden. Gelandet ist er stattdessen an der Spitze des väterlichen Buchverlags. Von dort kommt er nun scheinbar nicht mehr weg. Der Verleger Michael Klett wird an diesem Dienstag (19. Februar 2008) 70 Jahre alt und hätte sich gerne längst zur Ruhe gesetzt. Doch wer führt dann das Verlagshaus Klett? Der Sohn des Verlegers Ernst Klett weiß selbst keine Antwort darauf – und steckt seine Energie weiter unermüdlich ins väterliche Unternehmen.
„Spätestens mit 70 ist für mich Schluss als Vorstand im operativen Geschäft“, verkündete Michael Klett vor fünf Jahren. Doch sein Versuch, das bedeutende Amt aus den Händen zu geben, ging schief: Nachfolger Uwe Brinkmann teilte nicht die Auffassungen des Clans und musste nach wenigen Monaten wieder gehen. Seit September ist Klett zurück in dem Amt, das er 1995 zum ersten Mal übernommen hatte.
Manch anderem würde das reichen. Doch Klett engagiert sich nebenbei in Verbänden und Stiftungen, ist Schwedischer Honorarkonsul für Baden-Württemberg und Vorsitzender im Hochschulrat der Universität Würzburg. Doch von Stress und Burn-out-Syndrom will der gebürtige Schwabe nichts hören: „Es läppert sich zwar zusammen, ich kriege es aber dennoch hin, denn es mangelt nicht an Energie und natürlich auch Routine.“
Von Turbulenzen und Tiefpunkten kann Klett freilich lange erzählen. Als Schüler blieb er zweimal sitzen, brach in den 60er Jahren Studium und Theaterkarriere ab und trat stattdessen ins Unternehmen des Vaters ein. In den Achtzigern trieb der Schülerschwund den Verlag in die Krise – die Familie verkaufte daraufhin die Druckerei und ordnete die Klett-Gruppe neu. Der Umsatz sank auf rund 140 Millionen Mark. Michael Kletts persönlicher Tiefpunkt kam, als die Krise schon fast überstanden war: „1990 kündigte eine der drei Banken, die uns kreditierten, mit einem Schlag die Linie“, erinnert er sich.
Bergauf ging es dann sprunghaft, als die Mauer fiel und der Verlag die DDR mit westlichen Schulbüchern versorgte. Heute ist die Klett-Gruppe mit rund 70 Unternehmen in 13 Ländern vertreten und erwirtschaftet im Jahr mit rund 2700 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro.
In die digitale Zukunft schaut der Chef des größten deutschen Schulbuchverlags und Verleger der berühmten Romantrilogie „Der Herr der Ringe“ mit Zuversicht: „Sollten Schulbücher verschwinden, müssten Wissen und Methoden nach wie vor entwickelt und vorgehalten werden, und das können wir.“ Und bevor das Buch als Freizeitbeschäftigung aus der Mode komme, müsste schon „unsere hochgezüchtete Zivilisation“ untergehen.
Im Nachhinein bereut der Vater von vier Kindern weder seine wiederholten Schuljahre, noch seine gescheiterte Schauspielkarriere. Seine Schulzeit hätte ihn „geistige Neugier“ gelehrt. Und die Fußstapfen des Vaters führten ihn schließlich auf den richtigen Weg: „Ich war nicht begabt genug für die Theaterbühne, aber für die Bühne des Lebens hat es gerade einmal gereicht.“