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Vermächtnis in schwarz und weiß – Richard Avedons „Performance“

Der Bildband „Peformance“ von Richard Avedon

© Die Berliner Literaturkritik, 17.09.08

 

Von Thilo Resenhoeft

Die Richard Avedon Foundation verwaltet einen Bestand, der seinesgleichen sucht. Über gut fünf Jahrzehnte fotografierte der 2004 gestorbene Künstler die großen Stars des Musik- und Showgeschäfts, belichtete Negativ um Negativ. Alfred Hitchcock etwa lässt im Studio nur das Weiße seiner Augen sehen. Humphrey Bogart zeigt sein lakonisches Gesicht, Marlon Brando und Frank Sinatra posieren zusammen, bestens gelaunt, strahlend, erfolgsverwöhnt, Zigarre rauchend. Mehr als 250 meist ganzseitige Fotos bilden den neuen Band „Performance“ (Verlag Schirmer/Mosel), der aus dem umfangreichen Archiv zusammengestellt wurde. Wer auf der Bühne oder im Film Rang und Namen hatte, ist darin zu sehen.

Avedon platzierte seine Modelle fast ausnahmslos vor neutralem Hintergrund, um die Porträts ganz auf den Menschen zu fokussieren. Kein Hintergrunddetail sollte ablenken. Große Negative und viel Licht arbeiten noch den letzten Hautfleck, das letzte Barthaar, die feinste Hautfalte heraus. Etwa im Gesicht des Komponisten Igor Strawinsky, das auf diese Weise zum gefurchten Antlitz wird. Liza Minelli, ganz in weiß gewandet, zeigt Gesichtszüge wie eine marmorne Statue. Die Musikerin Björk wiederum tritt dem Betrachter als eine Art dämonisches Zwischenwesen entgegen.

Sie alle haben Avedon – selbst ein Star, selbst berühmt – etwas gegeben: Eine besondere Geste, einen Blick, eine Haltung. Vielleicht war es sein großer Verdienst, Raum für genau diese Feinheiten zu schaffen. Dies alles hat er, technisch perfekt, eingefangen. Das Grau bildet feinste Abstufungen auf der langen Skala von hellstem Weiß bis zum tiefen Schwarz der Schatten. Feinheiten wie die Struktur der Stoffe treten deutlich hervor.

Avedon schafft seine Inszenierungen auf seiner Bühne, mit seinem Blitzlicht und ganz nach seinen Vorstellungen. Er hat dieses Handwerk gründlich gelernt, wurde durch die Förderung von Alexey Brodovitch, dem künstlerischen Direktor des Magazins „Harper's Bazaar“, zu einem der berühmtesten Modefotografen der Welt – einen Ruf, den er auch für seine persönlichen Arbeiten zu nutzen wusste. Nachdem er entscheidend dazu beigetragen hatte, die Modefotografie zur Kunstform zu machen, wandelte er sich zum Porträtkünstler. In dem Band berichten einige seiner Modelle, wie es war, von Avedon fotografiert zu werden. Von großem Brimborium ist nicht die Rede, etwa bei der Pianistin Mitsuko Uchida: „Er stand einfach nur da und unterhielt sich mit mir. Und er blieb stets neben der Kamera.“

Auf diese Weise trafen Avedons Blitze viele besondere Momente. Sicher, seine Modelle wussten sich zu zeigen, sich zu bewegen, sich zu inszenieren. Und, ja, Avedon beleuchtete in der Person der Stars eine schöne, spektakuläre Welt des Reichtums und des Überflusses, abseits der Erfahrung der meisten Menschen. Er hatte viele Chancen, aber er hat sie auch weidlich genutzt – mit hoher „Performance“. Der englische Titel lässt sich mit Leistung, Funktion, Güte oder Kapazität übersetzen. Natürlich gibt es weitere gute Fotografen mit guter, ja mit herausragender „Performance“. Aber diese Bildstrecke von Richard Avedon wird sich stets sehr weit vorne einordnen.

Literaturangaben:
AVEDON, RICHARD: Performance. Schirmer/Mosel Verlag, München 2008. 304 S., 8-seitige Klapptafel, 12 Farb- ,247 s/w- Bilder, 78 €.

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