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Wahrheit oder Paranoia?

Das Buch „Honeckers Erben – Die Wahrheit über DIE LINKE“ von Hubertus Knabe

© Die Berliner Literaturkritik, 20.03.09

 

Von Kristina Dunz

Für Hubertus Knabe ist die Partei Die Linke der Horror. „Sollte das Programm der Linken – Auflösung der NATO, Enteignung privater Unternehmen, drastische Erhöhung der Staatsausgaben – Wirklichkeit werden, drohen der Bundesrepublik nicht nur außenpolitische Irrwege, sondern auch Freiheitsbeschränkungen im Inneren, womöglich eine neue Diktatur.“ So warnt der Direktor der Gedenkstätte im ehemaligen zentralen Stasi-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen in seinem neuen Buch vor der Partei, die im Osten aus der SED hervorgegangen ist und seit dem Zusammenschluss mit der westdeutschen Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) bundesweit zahlreiche Wahlerfolge verbuchen kann.

„Honeckers Erben – Die Wahrheit über DIE LINKE“, heißt das Buch, in dem der promovierte Historiker auf 450 Seiten es als Gefahr für die Demokratie in Deutschland beschreibt, wenn die Linke an die Macht kommen sollte. „Unsere Demokratie hat noch keine ernsthafte Bewährungsprobe bestehen müssen“, sagt er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Wir hatten immer eine Schönwetter- Demokratie. Die Linke ist eine echte Gefahr für sie.“

Der frühere baden-württembergische SPD-Chef und heutige Linke- Bundestagsabgeordneter Ulrich Maurer spricht von einem Buch der Vorurteile. „Mit der Realität unserer Partei hat das nicht das Geringste zu tun. Herr Knabe ist eines der seltenen Beispiele, dass man unter bestimmten Umständen sogar mit Paranoia Geld verdienen kann. Politisch ist er nicht ernst zu nehmen“, sagt Maurer der dpa.

Knabe nennt die Bundestagsfraktionschefs Gregor Gysi und Oskar Lafontaine ein „Demagogengespann“. Lafontaine sei „Deutschlands Oberpopulist“. Und trotz erfolgreicher Klagen Gysis gegen den Vorwurf, er habe mit dem DDR-Staatssicherheitsdienst (MfS) gemeinsame Sache gemacht, wiederholt Knabe in seinem Buch diese Anschuldigung. „Für den Autor jedenfalls besteht nach sorgfältiger Prüfung der MfS- Unterlagen und unter Berücksichtigung der Verteidigungserklärungen Gysis sowie der von ihm aufgebotenen Zeugen kein Zweifel an dieser Zusammenarbeit.“ Vorsorglich schreibt der 49-Jährige, sein Buch „kann jederzeit auf den Index geraten, wenn Gysi dagegen vorgehen sollte“.

Knabe verweist darauf, dass Gerichte mehrfach Medien verboten haben, Gysi als Stasi-Mitarbeiter zu bezeichnen. Gysi hatte zuletzt im Mai 2008 im Bundestag in einer emotionalen Rede seine Tätigkeit als Anwalt in der DDR beschrieben und eine Stasi-Mitarbeit zurückgewiesen. Für Knabe ist das „freche Geschichtsverfälschung“. Er kritisiert, dass viele Journalisten eine „völlig unkritische Haltung“ zu Gysi und seiner Partei hätten.

In seinem Buch wirft er dem Anwalt „Mandantenverrat“ zu DDR-Zeiten vor. Als Beispiele nennt er die von der SED als DDR-Staatsfeinde eingestuften Dissidenten Rudolf Bahro und Robert Havemann. Dass Bahro, der im Stasi-Gefängnis in Bautzen saß, sein Sohn und Havemanns Sohn Florian Gysi immer wieder in Schutz genommen haben, lässt Knabe nicht gelten. „Es ist natürlich, dass ein Inhaftierter in der Gewalt der Stasi seinen Anwalt als rettenden Strohhalm begreift. Das ändert nichts daran, dass Gysi Teil der DDR-Justiz war.“ Und die Söhne der Dissidenten könnten die damalige Lage kaum beurteilen, meint Knabe. Zum Widerspruch gegen seine Thesen sagt er: „Ich bin froh, dass das einstige zentrale Untersuchungsgefängnis der Stasi in Berlin noch steht und keiner behaupten kann, dass es auch das nicht gegeben hat.“

Literaturangaben:
KNABE, HUBERTUS: Honeckers Erben – Die Wahrheit über DIE LINKE. Propyläen Verlag, Berlin 2009. 336 S., 22,90 €.

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