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„Wo der Honigstock in Asche klebt“

„Näherungsweise“ ist Mara-Daria Cojocarus erster Gedichtband

© Die Berliner Literaturkritik, 09.07.08

 

MÜNCHEN (BLK) – In Juni 2008 ist der erste Gedichtband von Mara-Daria Cojocaru bei der Lyrikedition 2000 erschienen. Er trägt den Titel „Näherungsweise“.

Klappentext: „Näherungsweise“ ist Mara-Daria Cojocarus erster Gedichtband. In der Form frei und nicht festgelegt nähern sich ihre Texte – über mythologische Motive – dem Leben in der Moderne und den sinnstiftenden Grundthemen Liebe, Wahrheit und Vergänglichkeit. Die oft fragmentierte Sprache spiegelt nicht nur eine nicht-lineare Wahrnehmung, sondern auch das Fragmentiere des Subjektes. Der Gegensatz von Wunsch und Wirklichkeit, von alten Märchen und aufgeklärter Realität ruft ambivalente Bindungen hervor: „Wo der Honigstock in Asche klebt/ Da man sich im Grund nicht lieben muss/ Sich jedoch prinzipiell nicht lassen kann“. En passant und auf ihre eigene rätselhafte, wunderbare Weise erkunden die Texte Cojocarus die Übergangszonen von Innen- und Außenwelt. Eine starke Sinnlichkeit ist ihnen dabei eingeschrieben und ein Erkenntniswille.

Mara-Daria Cojocaru, geboren 1980 in Hamburg, studierte Politikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Recht für Sozialwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit Sommersemester 2007 Promotion in Politikwissenschaft. Teilnahme an der Autorenwerkstatt des „Lyrikkabinett“, München 2007. (vol/wip)

 

Leseprobe:

© Lyrikedition 2000 ©

ELEFANTEN

Ach, könnten wir nur einander die Gedanken direkt

Von der Stirn abrüsseln, wie die Land-Lamantine,

Die, aufgestiegen aus dem tosenden Meer, die

 

Weisheit haben, den Streitwagen der Erkenntnis ziehen

Und die Minerva hinterher; dann neumondgereinigt

Den bösen Hund mit einem Niesen betäuben.

 

ATLAS

die welt ist

platt wie eine scheibe

sitzt dir im genick

 

blutgeld bis

das rückgrat

bricht

 

SEKHMET

der große rote kater

hat die erde abgenagt &

fischgerippe in den abendhimmel

gehängt

 

dort baumeln sie die

faulen köpfe auf der

anderen seite werden kinder

dick nicht satt

 

WARUM

gedanken versammeln wo

worte sich im raum breit machen

müssen sie hüllen fallen lassen unaufdringlich

dinglich allen worten platz machen müssen

 

atem herz hände fassen

sprachlos lassen freiheit ist

schwindeln ohne selbstbetrug

dichter dran zwang suche nach

 

raum zwischen nicht glaubend dran

glauben müssen dabei ganz heimlich

aber hörbar staunend über

das vergehen lachen müssen

 

ERBLAST

Mit blanken Augen, blauen Blicken

Offenem Schrumpkopf, ohne Sinn und Verstand

Lässt er sich nickend fallen in die Geschicke,

Die geschickten Hände der Welt. Der Erbe

 

Schreit entsetzlich, obschon er kein Wort versteht

Nicht wissen kann, ob der Antritt sich lohnt.

Doch irgendeiner wird ihn bald wiegen

Im Glauben daran, dass er nicht verletzt wird.

 

Derweil zertrampeln die Eltern Vergangenheit

In Gegenwart des Kinds. Er noch, beschnüffelt

Jeden Satz, zupft jedes Wort hervor, die schönen

… Hoffnung, zum Beispiel, hat er am liebsten.

© Lyrikedition 2000 ©

Literaturangaben:
COJOCARU, MARA-DARIA: Näherungsweise. Gedichte. Lyrikedition 2000, München 2008. 56 S., 7,50 €.

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