BERLIN (BLK) - Mit dem 78-jährigen Wolfgang Kohlhaase zeichnet die 60. Berlinale am Mittwoch (17.2.) einen der Star-Autoren des ost-deutschen Kinos, der nach dem Mauerfall auch im jüngeren deutschen Film Erfolg hatte, mit dem Ehrenbären aus. Kohlhaase schrieb die Drehbücher zu Welterfolgen der DDR-Filmgesellschaft DEFA, wie „Solo Sunny“ (1979), dessen Hauptdarstellerin Renate Krößner 1980 auf der Berlinale den Silbernen Bär als beste Darstellerin gewann.
1931 in Berlin geboren, begann Wolfgang Kohlhaase seine berufliche Laufbahn 1947 als Journalist. Das prägte seinen Stil bis heute. Ein direkter Blick auf die Realität und eine ungekünstelte lakonische Sprache in den Dialogen, oft gefärbt von trockenem Witz, sind seine Markenzeichen.
Nach zwei Jahren als Dramaturgie-Assistent bei der DEFA in Potsdam-Babelsberg etablierte sich Wolfgang Kohlhaase 1952 als freischaffender Schriftsteller und Drehbuchautor. Schon 1954 errang er einen großen Publikumserfolg mit dem von Gerhard Klein inszenierten Ost-West-Krimi „Alarm im Zirkus“.
International bekannt wurde er vor allem durch Spielfilme des Regisseurs Konrad Wolf. Höhepunkte ihrer Zusammenarbeit waren die Anti-Kriegs-Dramen „Ich war 19“ (1968) und „Der Aufenthalt“ (1982) sowie die noch heute verblüffend gesellschaftskritisch anmutende Tragikomödie „Solo Sunny“ (1979), an der Kohlhaase an der Seite von Wolf auch als Ko-Regisseur arbeitete.
Anfang der 1980er Jahre schrieb er sein erstes Drehbuch für einen westdeutschen Spielfilm, „Die Grünstein-Variante“ (1984). Der Film basiert auf einer Erzählung von Ludwig Turek, die Kohlhaase zuvor schon als Vorlage für ein Hörspiel genutzt hatte. Regisseur Bernhard Wicki realisierte die Kino-Version überwiegend mit DDR-Schauspielern wie Fred Düren und Jörg Gudzuhn. Spätestens durch diesen Film wurde Wolfgang Kohlhaase auch in West-Deutschland dem breiten Publikum ein Begriff.
Nach dem Fall der Mauer konnte er seine Arbeit mit einer Kontinuität wie kein zweiter Drehbuchautor der DDR fortsetzen. Neben seiner Arbeit für Volker Schlöndorffs RAF-Drama „Die Stille nach dem Schuss“ (2000) hatte er den größten Erfolg mit der von Andreas Dresen inszenierte melancholische Komödie „Sommer vorm Balkon“ (2005).
Zur Auszeichnung Wolfgang Kohlhaases mit dem Ehrenbären der 60. Berlinale für sein Lebenswerk sagte Filmfestspiel-Chef Dieter Kosslick, der Autor stehe im deutschen Film wie nur wenige für „Erneuerung und Aufbruch“. (dpa/wer)
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