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Zitate deutscher Soldaten aus Afghanistan

Persönliche Eindrücke dokumentieren die Lage deutscher Stationierten im Krisengebiet

© Die Berliner Literaturkritik, 08.02.11

HAMBURG (BLK) - Seit neun Jahren ist die Bundeswehr in Afghanistan stationiert. Unzählige Mails, Briefe oder SMS wurden seitdem vom Hindukusch nach Deutschland verschickt. Ein kleiner Teil davon wird in dem am Mittwoch (9.2.) erscheinenden Buch „Feldpost, Briefe deutscher Soldaten aus Afghanistan“ veröffentlicht. Nachfolgend dokumentiert dpa einige Zitate aus den Schreiben:

„Ich weiß nicht, ob dieser Krieg militärisch zu gewinnen ist. Der Preis, den dafür vor allem Kanadier, Briten und Amerikaner zahlen, ist jedenfalls sehr hoch.“

„Die hygienischen Bedingungen erinnern an eine Jugendherberge in Mecklenburg fünf Jahre vor dem Mauerfall.“

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„Unser Problem hier ist die Enge. Das Lager ist für 800 Mann konzipiert, jetzt sind wir 1800“ (Oberstleutnant Hermann West (41), Kabul 2008)

„Unsere Panzer haben alle Namen, leider aus der Sesamstraße. Meiner heißt Samson, nun ja.“

„Am schönsten sind die Abende. Wenn es dämmert, wird gemeinsam gekocht und gegessen, danach noch ein bisschen erzählt und vielleicht ein heimliches Bier getrunken.“

„Tot. Das Unerwartete ist geschehen, bisher ging doch immer alles gut. In meinem und sicher nicht nur in meinem Bauch breitet sich eine lähmende Leere aus.“ (Oberstabsarzt Jens Weimer (35), Kundus 2009)

„...schlafe ich prächtig und viel. Vielleicht würde mein bislang nicht existierender Therapeut sagen, ich verdrängte. Vielleicht bin ich auch einfach nur stumpf genug, vieles an mich gar nicht ranzulassen.“ (Hauptfeldwebel Rolf Schmitz (29), Kundus 2009)

„Hier ist alles 100 Mal schlimmer, als es mir in meinen kühnsten Träumen erschien.“

„Ich frage mich tatsächlich, ob ich dieses Abenteuer wirklich

brauchte (...) ich kann jetzt nicht emotional werden, sonst heule ich.“ (Oberstleutnant Bertram Hacker (62), Kabul 2002)

„Nur 500 Meter entfernt eine gewaltige Explosion. Im Deckungsbunker lackiert sich eine US-Journalistin lässig die Fingernägel. Dann eine Schweigeminute für gefallene Amerikaner.“  (Hauptmann Thomas Brackmann (33), Kabul 2006)

„Im Einsatz ist der eigene Geburtstag eher unspektakulär. Um acht Uhr morgens ist Antreten. Ich darf vortreten, bekomme warme Glückwunschworte, eine Urkunde, die Gummibärchen und im Stillgestanden ein dreifaches Horrido-Joho.“

„Afghanen kennen nur Löcher im Boden, dem Durchschnittsdeutschen ist das zu anstrengend. Die Fallschirmjäger haben daher eine Klobrille auf einen Holzstuhl genagelt und das Loch ausgesägt. Deutsche Gemütlichkeit also.“ (Oberstabsarzt Jens Weimer (35), Faisabad 2004)

„Wenn Du hier die freundlich zuwinkenden Kinder lachen siehst, kannst Du wenigstens das Gefühl haben, nichts Falsches zu tun.“ (Hauptmann Marc Jötten (54), Kabul 2004)

„Den Anblick von bettelnden, barfüßigen Kindern in den Straßen der in Trümmern liegenden Millionenstadt Kabul wird so bald wohl keiner vergessen.“ (Militärdekan Joachim Simon (50), Kabul 2002)

„...und unser Ansehen leidet in Deutschland noch mehr. Das ist übrigens auch ein Grund für mich die Bundeswehr zu verlassen – mir fehlt einfach der Rückhalt für unseren Beruf in der Gesellschaft.“ (Oberleutnant Eva Weber (29), Masar-i-Sharif 2009)

„Ich erlebe Krankheitsbilder in einer Ausprägung, wie man sie in Europa gar nicht mehr findet, allenfalls noch im Lehrbuch.“

„Fast wäre ich geneigt, länger in diesem Land zu bleiben, da es eine Arbeit ist, die mich geistig fordert und bisweilen einiges nimmt, jedoch auch viel gibt. Ganz sicher lässt sie einen aber nicht kalt.“ (Stabsarzt Christian Werner (39), Kabul 2005) (swe/dpa)


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