LONDON (BLK) – Nick Rennison rezensiert in der „Sunday Times“ die Novelle „Home“ von Marilynne Robinson. „Home“ ist die Nachfolgernovelle von Robinsons „Gilead“, für die sie 2004 den Pulitzerpreis bekam und an deren Geschichte – von John Ames und dessen verlorenen Sohn – sie in „Home“ anknüpft.
Es ist das Jahr 1956. Glory, am Rande der Altjüngferlichkeit, kehrt nach Gilead in Iowa zurück, um ihren sterbenden Vater Robert Boughton zu pflegen. Auch ihr Bruder Jack Boughton, vor 20 Jahren verschwunden, kehrt „nach Hause“ zurück. Vor 20 Jahren hatte er Kind und Familie verlassen, sich dem Alkoholismus und Selbsthass ergeben. In ihrer Novelle treffen sich Robinsons Figuren nun, prüfen die familiären Bande, die sie zusammenhalten, entwickeln neue Vertrautheit sowie Vertrauen und mühen sich um Aussöhnung.
Die größte Stärke Robinsons sei die rhythmische Prosa, in der sie schriebe, lobt der Rezensent. Noch mehr in „Home“ als in „Gilead“ ließen sich Beweise für die Kraft und Grazie ihrer Prosa finden. Allerdings hinge der Erfolg der Novelle von der Glaubwürdigkeit der Figur Jack Boughtons ab, die anders als in „Gilead“ nicht mehr nur Randfigur, sondern nun das Herz der Geschichte sei. Leider überzeuge Robinson nicht mit ihrer Figur einer verlorenen Seele, entfremdet von Familie und Gesellschaft. Sie schaffe es nicht, die von ihr implizierte Resonanz zu übertragen. (rie/dan)
Literaturangaben:
ROBINSON, MARILYNNE: Home. Virago Press, London 2008. 336 S., 16,99 £.
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