FRANKFURT AM MAIN (BLK) – Gisa Funck empfiehlt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) Mordecai Richlers Hippie-Satire „Cocksure“. Bereits 1968 erstmals veröffentlicht, ist der Roman nun beim Liebeskind Verlag erschienen. Die Hippie-Figur würde hier in nicht mehr ungewohnter Form aufs Korn genommen, doch in seinem Gesellschaftsentwurf sei Richler „beunruhigend zeitgemäß“, meint die Rezensentin.
Der Spott über die Blumenkinder sei schon 1968 nicht zu kurz gekommen. So manch aktuelle These zu den Anhängern der Flower-Power-Bewegung lässt sich laut Funck in der Roman-Satire Richlers wieder finden. Überspitzt ziehen die Hippies in den Kampf gegen Spießertum, Intimsphäre und Kommerz, im Roman vertreten durch Joyce, die Gattin Mortimers, der hier die beiden Pole Hippie-Kapitalist verbindet. Während Joyce Verantwortungslosigkeit unter dem Deckmantel der Freiheit auslebt, stellt sich der gutmütige Mortimer, Lektor und Hoffnungsträger des Verlages Oriole Press in London, der zunehmenden, manipulativen Medienmacht entgegen. Wo die Blumenkinder in „kleinen, hedonistischen Freiheitsgefechten“ versunken seien, schwinge sich nun „ausgerechnet der brave Mortimer zum Heldentum“ auf, schreibt die Rezensentin.
Das Aufbegehren gegen die Medien stehe durch die Aktualität und den Ernst der Thematik noch vor dem Satirehaften des Romans. So erscheint der Roman in der Rezension Funcks als ein äußerst lesenswerter, humorvoller und scharfsinniger Beitrag zu dem wieder aufgewärmten Thema der ’68er Generation, an dem sich ruhig aktuelle Kritiker dieser Zeit ein Beispiel nehmen dürften. (vol/wip)
Literaturangaben:
RICHLER, MORDECAI: Cocksure. Roman. Übersetzt aus dem Englischen von Silvia Morawetz. Liebeskind Verlag, München.2008. 256 S. 19,80 €.
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