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Heiliges Feuer

Paul Bocuse, der Koch der Köche erinnert sich

© Die Berliner Literaturkritik, 18.11.05

 

GRENOBLE (BLK) ‑ Der berühmteste aller französischen Köche, der 80-jährige Paul Bocuse erzähle in seinem „Testament“ die Geheimnisse seines bewegten Lebens, berichtet L’Express. Verfasst wurde diese demnächst erscheinende (Auto)Biografie von Eve-Marie Zizza, Tochter von Bocuses Lebensgefährtin. Von seinem Clan, seine Liebschaften, Wutausbrüchen und Dreistigkeiten werde zu lesen sein, von seinem unbändigen Lebensdurst, seiner Lust nach Provokation und Erfolg, bis zum Exzess.

Claude Lebey von L’Express hat sich vor Erscheinen des Buches mit dem Meister unterhalten. Grundlage und Anlass des Buches, das er seit langer Zeit geplant habe, sei die Sammlung vieler Familienfotos seiner Eltern und Großeltern gewesen. Zudem mahne ihn Alter und Gesundheitszustand, dass es besser sei, Erinnerungen zu schreiben, bevor man das Gedächtnis verliere. Die Memoiren Paul Bocuses haben aber nicht nur ihn selbst zum Thema, sondern seine „gastronomische“ Familie. Bereits 1765 sei eine Vorfahrin von ihm als Köchin für die Bauern der Nachbarschaft aktenkundig geworden. Pikante Details der Familiengeschichte kommen auch zur Sprache. Als er das Restaurant seines Vaters übernommen habe, habe dies noch nebenbei als Stundenhotel fungiert. Sex und Cuisine hätten vieles gemeinsam, meint Bocuse dazu. Passenderweise hat er übrigens, er gesteht es offen ein, nicht nur drei Michelin-Sterne sondern teilt auch mit gleich drei Frauen sein Leben.

„Le Feu sacré“, das „heilige Feuer“ sind seine Erinnerungen betitelt. Ursprünglich kam ihm die Idee dazu durch das Sprichwort „Une cuisine sans feu, c'est comme une putain sans cul“ – das wir hier nicht übersetzen. Dann aber habe er sich für eine jugendfreie Begründung entschieden: Die Küche, das sei die Magie des Feuers. Der wolle er auch im Tode verbunden sein – verbrannt und als Asche die Saône hinunter treibend, an seinem Restaurant vorbei. (spä/zie)

Literaturangaben:
ZIZZA, EVE-MARIE: Paul Bocuse. Le feu sacré.Éd. Glenat Grenoble 2005. 192 S., 45,- €


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