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Geschäfte mit dem Teufel

"Deutsches Kapital am Kap." von Birgit Morgenrath und Gottfried Wellmer.

© Die Berliner Literaturkritik, 08.12.03

 

FRANKFURT AM MAIN (BLK)-- Im November 2002 haben Opfer des Apartheidregimes in Südafrika 22 internationale Konzerne verklagt, berichtet Anke Schwarzer in der "Frankfurter Rundschau" (08.12.03). Diesen Firmen werde die Unterstützung eines "der bösartigsten Systeme seit dem Nationalsozialismus" (Desmond Tutu) vorgeworfen. Besonders deutsche Unternehmen hätten sich als Financier der Apartheid hervorgetan. Teilweise sogar unterstützt von der Bundesregierung wurden die Embargos der Vereinten Nationen umgangen.

Anschaulich und ohne Vorwissen vorauszusetzen, zeichnen die Autoren die Geschichte der Apartheid und die menschenverachtende Firmenpolitik von Mercedes Benz, der Deutschen Bank, BASF, Bayer und unzähligen anderen deutschen Unternehmen nach, lobt die Kritikerin. In enger Zusammenarbeit mit dem Regime hätten die Investoren besonders in den Homelands Arbeitsplätze geschaffen, um die Zuwanderung der Schwarzen in die "weißen" Zentren Johannesburg und Kapstadt zu verhindern. Die Bedingungen in den internationalen Firmen waren nicht besser als in den südafrikanischen Unternehmen. Neben den unmenschlichen Arbeitsbedingungen wurden auch die rassistischen Bestimmungen des südafrikanischen Arbeitsrechts ausgenutzt. So sei etwa 1987 in East-London die Gesamte Belegschaft von 2800 von Mercedes- Benz entlassen worden, da sie für den Mindestlohn von 4,50 Mark gestreikt hatten.

Auch die militärische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Südafrika werde angesprochen. Firmen wie Thyssen, Siemens und Magirus Deutz hätten von dem Export von Dual-Use-Gütern profitiert. Eine klare Systematik hätte an dieser Stelle gut getan. Wo wurde "nur" verwerflich, unmoralisch gehandelt, wo sind die Machenschaften kriminell, all dies bleibe leider unklar. In jedem Fall werde der Legende entgegengetreten, dass deutsche Firmen nur das Wohl der unterdrückten Schwarzen im Auge hatten. Im Zuge der Klagen gegen die internationalen Konzerne wolle Südafrika auch die "verabscheuungswürdigen Schulden" des Apartheidregimes getilgt sehen. Man wolle nicht ein zweites Mal für die eigene Unterdrückung bezahlen. Die Klage werde derzeit in New York geprüft. (mön/ott)

Literaturangaben:
MORGENRATH, BIRGIT / WELLMER, GOTTFRIED: Deutsches Kapital am Kap. Kollaboration mit dem Apartheidregime. Edition Nautilus, Hamburg 2003. 160 S., €12,90.

Zur Rezension:


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